Marktoberdorf
150 Kindergärtnerinnen auf den Barrikaden

Knapp 150 Beschäftigte in Sozialberufen des öffentlichen Dienstes gingen gestern in Marktoberdorf auf die Barrikaden: Die Streikenden aus dem Allgäu und München nahmen an der von der Gewerkschaft Verdi organisierten Demonstration teil und protestierten gegen die ihrer Meinung nach schlechte Bezahlung und für verbesserten Gesundheitsschutz.

Manfred Heeb, stellvertretender Geschäftsführer von Verdi Allgäu, machte deutlich, warum die Kundgebung in Marktoberdorf stattfand: «Wir wurden inspiriert von der beispiellosen Demo zum Erhalt des Krankenhauses, bei der 3000 Menschen auf die Straße gingen.» Bei der Demonstration, die vom Gasthof Burger über Landratsamt und Meichelbeckstraße zum Rathaus führte, wandte sich Heeb per Lautsprecher auch an Landrat Fleschhut: «Lieber Herr Landrat, schauen Sie raus! Damit das Ostallgäu als Wirtschaftsstandort attraktiver wird, brauchen wir moderne Tarifverträge.» Gute Arbeit verlange gute Bezahlung.

Neben Parolen wurden - vor allem von den rund 60 Erzieherinnen aus München - Schlachtgesänge angestimmt: «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Kohle klaut» und «uns die Gesundheit raubt», hieß es.

Hauptredner Norbert Flach, Verdi-Tarifkoordinator in München, brandmarkte «Kleinkrämer» in Verwaltungen, die beim Personal nur an Kosten dächten. So sei die längst fällige Entgeltordnung für Beschäftigte in Kindergärten und anderen sozialen Einrichtungen stets verzögert worden. Investitionen im Sozialen flössen nur in Sachmittel. Flach: «Ausreichendes, qualifiziertes, motiviertes und gesundes Personal ist aber für die Qualität der Erziehungsarbeit entscheidend.»

Erzieherin Susanne Meßmer aus Marktoberdorf schlug in dieselbe Kerbe: Regelungen zur Gesundheitsförderung dürften nicht «vom Wohlwollen einzelner Träger abhängen». Weniger psychische Belastungen fürs Kindergarten-Personal durch Reduzierung der Gruppenstärken käme zudem den Kindern direkt zugute.

Mehrere Redner machten bei der Kundgebung klar, dass der «Arbeitskampf» weitergehe - sollten die Tarifverhandlungen scheitern.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ