Blasmusik
15 Jahre Euregio-Musikfestival

Ein Blasmusikfestival im Blasmusikland? Das gab es bis vor 15 Jahren im Allgäu nicht. Zwar ist die Dichte an Kapellen kaum irgendwo so hoch wie in unserer Region. Kaum irgendwo gibt es so viele Konzerte und Musikfeste. Aber ein richtiges Festival?

Im Jahr 1999 änderte sich das. Der Oberallgäuer Simon Gehring, ein leidenschaftlicher Blasmusikant und Dirigent in Unterjoch, hob zusammen mit einer Handvoll Gleichgesinnter das Euregio-Musikfestival aus der Taufe - und bescherte dem Blasmusikland Allgäu eine gehörige Erweiterung des musikalischen Horizonts. Heuer wird Jubiläum gefeiert.

Simon Gehring erinnert sich noch gut, wann und wo ihm die Idee für dieses Festival kam: 1997 in Chicago. Er besuchte die 'Midwest', das weltweit wohl bedeutendste Blasmusik-Festival mit Konzerten, Workshops, Messen. Ein riesiger Umschlagplatz. 'Da dachte ich mir: So etwas müsste man den Blasmusikern im Allgäu auch bieten.'

Zwei Jahre später bot er genau dies in Sonthofen: einen facettenreichen Konzertreigen mit renommierten Orchestern, einen Wettbewerb, Workshops, eine Fachmesse, eine Trachtenausstellung. Von 12. bis 16. Mai 1999 ging das erste Euregio-Musikfestival über die Bühne.

Gehring hatte sich zur Finanzierung die Euregio via salina ins Boot geholt. Der grenzübergreifende Verbund von Allgäu, Außerfern (Tirol) und Kleinwalsertal wurde offiziell zum Ausrichter des Festivals. Damit konnte die Euregio den EU-Fördertopf anzapfen. Selbstverständlich kamen die Musiker und Dozenten auch aus diesem Gebiet.

Damals schlug auch die Geburtsstunde des Euregio-Blasorchesters (EBO). Anfangs leitete der Holländer Gerd Buitenhuis das Auswahlensemble mit Allgäuer, Tiroler und Kleinwalsertaler Musikern, ab 2002 führte der Oberösterreicher Dirigier-Professor Johann Mösenbichler den Taktstock. Er befruchtete mit Leidenschaft und souveränem Können die regionalen Bläser und Schlagwerker.

7000 Besucher bei der Premiere

Die Resonanz bei der Festival-Premiere ermutigte die Ausrichter. Angesichts 7000 Besucher beschlossen Projektleiter Simon Gehring und die politisch Verantwortlichen unter Führung des Oberallgäuer Landrates Gebhard Kaiser: Wir machen weiter. Wenngleich wegen des hohen organisatorischen Aufwandes im Zweijahres-Rhythmus.

Auch die zweite Ausgabe 2001 war von Erfolg gekrönt. Nun wünschten sich plötzlich andere Allgäuer Städte und Dörfer, beim Konzertreigen mitmachen zu dürfen. 'Eine schöne Bestätigung unserer Arbeit', sagt Gehring. Er erfüllte die Wünsche. Das dritte Euregio-Musikfestival fand 2003 in zehn Kommunen statt. Und erstreckte sich nun über das gesamte Jahr.

Auch die Bandbreite bei den Konzerten wuchs: Sie reichte von sinfonischer Blasmusik bis zu böhmisch-mährischen Klängen und Volksmusik. Von Mal zu Mal ließen sich Gehring und sein Arbeitskreis Neues einfallen: Sie gaben Werke in Auftrag, luden zu Uraufführungen, holten renommierte Komponisten, Solisten und Dirigenten (wie Jacob de Haan, Ernst Hutter, Steven Mead oder Peter Kostner) ins Allgäu, organisierten Polka-Walzer-Marsch-Festivals, richteten Weltmeisterschaften für böhmisch-mährische Blasmusik aus, boten Kirchenkonzerte und Alphornständchen. Die Besucherzahlen bewegen sich seither meist zwischen 20 000 und 30 000 pro Jahr.

So wird das weitergehen. Erfolgsrezepte Jahr für Jahr kopieren? Nein, das wolle er nicht, erklärt Simon Gehring. Lieber immer wieder Neues wagen, das ist das Leitmotiv des Festivals. Solange Nachfrage da ist, werde man weitermachen. Fürs Jahr 2014 heißt das konkret: 14 Konzerte mit 26 Orchestern sowie 15 Musik- und Gesangsgruppen; insgesamt wirken rund 1000 Musiker mit.

Kostenlose Konzertsäle

Um das Festival zu finanzieren und zu organisieren, setzt Gehring weiterhin auf eine Mischung aus Ehrenamt und Sponsorensystem. So fördern nicht nur Unternehmen und Privatpersonen das Euregio-Festival. Die beteiligten Kommunen stellen Hallen und Säle kostenlos zur Verfügung. Fallen Überschüsse an, werden sie gespendet: an die Kartei der Not (das Hilfswerk der Allgäuer Zeitung), den Allgäuer Hilfsfonds sowie Projekte im Euregio-Gebiet. 2013 beispielsweise kamen über 26 000 Euro zusammen.'Aber wir machen das nicht wegen des Geldes', stellt Gehring klar. 'Sondern wegen der Musik.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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