Oberstdorf
145 Wanderer erkranken an Magen-Darm-Infekt

Die Zahl der im Allgäu an akutem Magen-Darm-Infekt erkrankten Wanderer (wir berichteten) ist am Wochenende auf insgesamt 145 gestiegen. Bis zum Sonntag wurden laut Polizei über 40 Kranke von mehreren Hütten mit Rettungshubschraubern ins Tal geflogen. Sämtliche Wanderer hatten auf ihren Touren die 2091 Meter hoch gelegene Rappenseehütte besucht. Ein Defekt in der Trinkwasseraufbereitungsanlage der Hütte ist offenbar schuld an der Masseninfektion. Das Landratsamt Oberallgäu entschied daher am Sonntag, die Hütte vorübergehend zu schließen.

«Die Rappenseehütte muss gründlich desinfiziert werden. Wir wollen jede Möglichkeit einer neuen Infektion ausschließen», begründete die Pressesprecherin des Landratsamtes Oberallgäu, Brigitte Klöpf, die Schließung der Hütte bis voraussichtlich Mitte dieser Woche. Zunächst hatte das Gesundheitsamt angeordnet, das Wasser abzukochen und zu chlorieren. So sollte der Weiterbetrieb der Hütte sichergestellt werden. Noch am Freitag hatte das Landratsamt einen Krisenstab eingerichtet.

Die Krankheitswelle nahm am Freitagvormittag ihren Anfang: Immer mehr Alpinisten litten unter Durchfall, Erbrechen und Kreislaufproblemen. Bis zum Freitagmittag wurden 20 Wanderer von der Kemptner Hütte und vom Prinz-Luitpold-Haus ins Tal geflogen. Sie waren zu schwach, um selbst abzusteigen. Am Samstag waren es bereits über 100 erkrankte Bergwanderer.

Bis zum Nachmittag flogen Rettungshubschrauber Patienten von mehreren Hütten in den Allgäuer Alpen ins Tal, wo sie medizinisch versorgt wurden. Insgesamt 41 Wanderer mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden. Ärzte mit Notfallausrüstung wurden am Wochenende auf fünf Hütten stationiert. Am Sonntagnachmittag bezeichneten Landratsamt und Polizei die Lage als «wieder entspannt».

«Rappelvoll, gute Stimmung»

Einer, der auf zwei der betroffenen Hütten übernachtete, ist ein 46-jähriger Bergwanderer aus Augsburg. Er beging gemeinsam mit seinem Vater die beliebte Route über den Heilbronner Weg und nächtigte am vergangenen Mittwoch in der Rappenseehütte. «Die Hütte war rappelvoll, die Stimmung aber gut. Und beim Hüttenwirt kein Anzeichen von Stress.

Alles war normal», schildert er seine Eindrücke. Am Morgen füllten Vater und Sohn ihre Trinkwasserflaschen auf und marschierten los Richtung Kemptner Hütte. Auch hier bemerkte der Augsburger bis zum Freitagmorgen nichts Auffälliges und stieg mit dem Vater nach Oberstdorf ab. Beim Abstieg sahen die beiden die Hubschrauber zur Hütte und wieder weg fliegen. In Nacht zum Samstag erwischte es den 46-Jährigen selbst: Fieber und Durchfall. Und am Samstag erhielt er einen Anruf vom Gesundheitsamt Oberallgäu mit der Bitte, bei länger anhaltenden Beschwerden das Gesundheitsamt Augsburg zu informieren. Mittlerweile geht es dem Wanderer aber schon wieder besser.

Die genaue Ursache für die Magen-Darm-Erkrankungen ist noch nicht bekannt. Polizei und Gesundheitsamt gehen davon aus, dass eine tagelang defekte UV-Entkeimungsanlage schuld ist an der Verunreinigung des Trinkwassers. Eine Fachfirma hat die Sanierung bereits in Angriff genommen. Laut Trinkwasserverordnung muss einmal jährlich eine Probe in einem Institut untersucht und das Ergebnis an das Landratsamt weitergeleitet werden. Die Polizei ermittelt wegen des Anfangsverdachtes der fahrlässigen Körperverletzung. Es stehen Verstöße nach dem Infektionsschutzgesetz und der Trinkwasserverordnung im Raum.

Unterdessen bemühte sich Harald Platz, 1. Vorsitzender der Alpenvereins-Sektion Allgäu-Kempten, am Sonntag eine Spezialfirma zu finden, die die Rappenseehütte desinfiziert. «Das muss sehr gründlich gemacht werden», sagte Platz. Zudem hat die Sektion alle umliegenden Hütten über die Schließung der Rappenseehütte informiert. Wanderer mit dem Ziel Rappenseehütte sollen zur eine halbe Stunde entfernten umgeleitet werden.

Auf der Homepage der Rappenseehütte ließen Hüttenwirt und Wirtin am Sonntag wissen: «Es besteht Betretungsverbot. Wir bitten um ihr Verständnis.»

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