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120 Lindenberger bei der Bürgerversammlung - Überwiegend Befürworter melden sich zu Wort

Zwei Stunden lang erläuterten Fachleute die Pläne in Sachen Kulturzentrum, anschließend hatten Bürger das Wort. Das ergriffen überwiegend Befürworter des Vorhabens. Kritisch sieht das Vorhaben Hannes Schneider. Er hat ein «Problem mit der Größe und den Kosten». «In Zeiten, wo man andernorts Museen und Bäder schließt, geben wir zehn Millionen aus.» Er zweifelt auch die von Museumsfachmann Dr. Haller genannte Höhe des jährlichen Defizits an. Schneider rechnet mit Blick auf steigende Aufwendungen für den Gebäudeunterhalt mit erheblich höheren laufenden Kosten. «Man sieht nur die positive Seite, am Ende muss es die ganze Stadt ausbaden», so Schneider zu der Präsentation der Planer.

Dagegen warb Manfred Röhrl, langjähriger Leiter des Hutmuseums, für das Projekt. Er sprach von einem «Schritt, den man tun muss, um die Region wieder zu beleben.»

Ein Plädoyer für das Vorhaben hielt Günther Rädler, stellvertretender Vorsitzender des Geschichts- und Museumsvereins. Er sprach von einer «einmaligen Chance, die wir nicht verspielen dürfen» und forderte die Lindenberger auf, sich für das «Projekt zu begeistern». Der Hut sei «die Geschichte Lindenbergs». Er erinnerte in dem Zusammenhang an die «vielen tausend Mitarbeiter in den Hutfabriken, die zu unserem Reichtum beigetragen haben».

Ein «Impulsprojekt für die weitere Stadtentwicklung ist das Kulturzentrum in den Augen von Dr. Georg Grübel. Es reiche nicht, den Status quo zu reparieren. Lindenberg müsse sich von seiner Identität als Industriestadt verabschieden und eine neue Identität finden. «Wenn ein solches Quartier aufgewertet wird, ist das eine Weichenstellung». Die hohen Kosten sind für ihn kein Argument gegen das Kulturzentrum. «Es gab nie Geld in Lindenberg. Was damals Mäzene geschenkt haben, sind heute die Zuschüsse.» Um das Vorhaben verwirklichen zu können, wünscht sich Dr. Grübel eine «Bürgerbeteiligung, die einen breiten Konsens in der Stadt herstellt».

Ein «tolles Projekt» ist das Kulturzentrum in den Augen von Thomas Goebel, Vorsitzender des CSU-Ortsvereins. Gleichwohl müsse die Frage erlaubt sein, wie die «finanzielle Belastung die Stadt einschränken». Der Stadtrat werde sich für das Kulturzentrum entscheiden, wenn die Finanzierung überzeugend geklärt sei.

Nach Alternativen erkundigte sich Oliver Baldauf. Der Architekt lebt zwar in Scheidegg, ist aber Vorsitzender des Kunsteisfördervereins in Lindenberg. In seinem jetzigen Zustand sei das Gelände alles andere als ein Aushängeschild für die Stadt. Eine Alternative für das denkmalgeschützte Fabrikgebäude sieht die Stadt aber nicht.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Investor das Gebäude übernimmt und umnutzt», so Bürgermeister Zeh mit Blick auf die hohen Sanierungskosten, zumal Zuschüsse nur bei einer öffentlichen Nutzung zu erwarten seien.

Horst Havrda forderte Gegner des Vorhabens auf, Vorschläge zu unterbreiten, was anstatt des Kulturzentrums entstehen könnte. Er verwies zudem auf die Kosten, die ein reiner Erhalt des Denkmals koste. «Wenn sie das den Kosten des Kulturzentrums gegenüberstellen, ist die Entscheidung klar».

Die technische Seite des Vorhabens interessierte Energieberater Klaus Röthele. Er riet zu einem Gespräch mit dem Denkmalamt, um das Gebäude außen dämmen zu können. Das sei energetisch besser und in der Regel günstiger. Architekt Philip Jauss glaubt nicht an den Erfolg eines solchen Gespräches.

«Das Gebäude wäre nicht mehr das selbe», versteht er die Bedenken des Denkmalamtes. Zudem schätzt der Architekt eine Innendämmung als nicht wesentlich teurer ein als eine Außendämmung, wenn die Fassade in seiner jetzigen Gestalt erhalten werden solle.

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