Influencen: Zwischen „Hype“ und Steuerfahndung

Redaktioneller Hinweis: Dies ist ein Heimatreporter-Beitrag. Er spiegelt die Meinung des Verfassers wider.

Erst vor ein paar Tagen sorgte der „Facebook-Crash“, bei dem sämtliche Online-Dienste des US-Konzerns aufgrund einer „fehlerhaften Neukonfiguration“ für mehrere Stunden ausgefallen sind, für einen „Aufschrei“ in der Influencer-Szene. 

Die ersten Meldungen zum „Facebookdown“ waren unübersichtlich, es war gar von einer Abschaltung der Online-Dienste wegen einer „Unternehmenszerschlagung“ oder einem „Cyberangriff“ die Rede. 

Zum Glück, stellte sich der weltweite „Mega-Online-Lockdown“ von Facebook als eine „technische Panne“ heraus und wurde mittlerweile behoben. 

Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, was bei einem Datenverlust alles so passiert wäre. Vielleicht sogar mit der Folge, dass der „Log-in“ zum Instagram-Account nicht mehr geklappt hätte.

Als Konsequenz zu einem solchen „Horrorszenario“ hätten die Influencer plötzlich keine Geschäftsgrundlage mehr und müssten quasi wieder von „Vorne“ anfangen oder wären gar unternehmerisch „erledigt“.

Influencer sind Menschen, die ihre „Popularität“ und ihr „Image“ in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel „Instagram“ oder „TikTok“ nutzen, um beispielsweise Produkte und Lebensstile zu bewerben.

Ihr Geld machen die Influencer mittels Werbeverträge, Provisionsbeteiligungen, Selbstvermarktung oder über Online-Marketing-Dienstleistungen.

Laut einer Analyse des US-Unternehmens „HypeAuditor“ liegt die Altersstruktur deutscher Influencer und Influencerinnen zwischen 18. und 34. Jahren.

Die Influencer bezeichnen sich in vier Gruppen. Menschen mit 1.000 bis 5.000 Followern werden als „Nano-Influencer“, mit 5.000 bis 20.000 Followern als „Micro-Influencer“ und mit 100.000 bis 1.000.000 Follower als „Macro-Influencer“ und über 1.000.000 Follower als „Mega-Influencer“ betitelt. Der deutsche Markt wird allerdings weitestgehend von „Micro-Influencern“ dominiert.

Der Berufswunsch des Influencers oder der Influencerin rückt immer mehr in den Fokus. Aktuell gibt es diesbezüglich zwar keinen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, aber einige Hochschulen haben bereits das Potenzial erkannt und bieten erste Studiengänge im Influencer-Marketing an. 

Nicht verwunderlich also, dass viele Menschen am System „influencen“ teilhaben wollen. Dabei vergessen aber viele, dass es sich bei der Aktivität als „Influencer“ um eine echte Gewerbetätigkeit im Sinne der Steuergesetze handeln kann.

Influencer oder Influencerinnen sind fast immer Gewerbetreibende (§ 15 EStG) und keine Freiberufler (§ 18 EStG).

Die Pflicht zur Abgabe einer Einkommenserklärung ans Finanzamt besteht nämlich immer dann, wenn die Einnahmen (Gewinn nach Abzug betrieblicher Ausgaben) aus der hauptberuflichen Tätigkeit als Influencer oder Influencerin den jährlichen Grundfreibetrag in der Einzelveranlagung von 9.744,00 Euro (Stand: Jahr 2021) übersteigen. Für nebenberufliche Influencer oder Influencerin liegt der Freibetrag gem. § 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG sogar nur bei 410,00 Euro.

Ob im Endeffekt Einkommens/-Gewerbe/- oder Umsatzsteuer gezahlt werden muss, hängt vom Einzelfall ab und ist unter anderem abhängig von der Überschreitung von weiteren Freibeträgen.

Einige Influencer oder Influencerinnen dürfen von ihren Kunden aus zu Werbezwecken - „kostenfrei“ Produkte testen, in Hotels „einchecken“ oder bekommen sogar ganze Urlaubsreisen „gesponsert“.

Recht unbekannt ist es dazu zum Beispiel, dass diese scheinbaren „Gratis-Extras“ gem. § 8 Abs. 2 EStG als „Sachzuwendungen“ gelten, die der Einkommens- und Umsatzsteuer unterliegen.

Davon unabhängig besteht für Influencer oder Influencerinnen seit geraumer Zeit auch die Verpflichtung zu offensichtlichen Kennzeichnung von Werbebeiträgen. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) in seiner jüngsten Entscheidung (Aktenzeichen: I ZR 90/20, I ZR 125/20, I ZR 126/20) vom 09.09.2021 bestätigt.

Aber zurück zum Thema. Wie viel Geld lässt sich denn überhaupt mit „influencen“ so verdienen? 

Zurückgehend auf die Analyse des US-Unternehmens „HypeAuditor“, können „Micro-Influencer“ schon mal durchschnittlich bis zu 244,00 Euro bzw. zumindest unter 430,00 Euro pro Publikation von ihren Kunden verlangen.

Während es bei „Macro-Influencern“ auch mal oberhalb von 980,00 Euro pro Veröffentlichung sein kann, ist die „Crème de la Crème“ der „Top-Influencer“ laut dem Magazin „Business Insider“ bei über 5.000,00 Euro pro Veröffentlichung angekommen.

Es wird aber gemutmaßt, das die Influencer oder Influencerinnen oft nach dem sogenannten „Tausenderkontaktpreis (TKP)“ abrechnen.

Damit können die voraussichtlichen Werbekosten errechnet werden, um 1.000 Menschen mit einer Werbemaßnahme zu erreichen. 

Laut dem US-Unternehmen  „Statista“ lag der durchschnittliche „Tausenderkontaktpreis (TKP)“ von deutschen Instagram-Influencern im Jahr 2007 bei mindestens 9,80 Euro.

Nach diesen Informationen kann also selbst ein „Micro-Influencer“ durchaus auf über 3.900,00 Euro-Brutto monatlich kommen, sollte dieser jeden Tag auch nur einen bezahlten Inhalt entsprechend dem „Tausenderkontaktpreis (TKP)“ auf „Instagram“ verfügbar machen.

Die Anzahl der Follower und Beitragsimpressionen des Influencers oder der Influencerin spielen hier aber selbstverständlich auch eine tragende Rolle. 

Aus einem „Hobby“ kann also mal „schnell“ ein sich wirtschaftlich lohnendes Online-Geschäft werden.

Das hat ebenso die bayerische Steuerfahndung (Steufa) und das Finanzamt erkannt und nimmt das aufstrebende „Business“ der Influencer und Influencerinnen zunehmend in den Fokus. 

Bei Verstößen gegen Steuergesetze drohen den Influencer und Influencerinnen nämlich empfindliche Geldstrafen. Ab 50.000 Euro hinterzogene Steuern droht definitiv eine Haftstrafe. Wenn man „Pech“ hat, auch ohne Bewährung (Haftverschonung unter Auflagen).

Nachfolgend kann auch noch eine „Gewerbeuntersagung“ wegen „Unzuverlässigkeit“ ausgesprochen werden. 

Vor der Ermittlung einer Steuerstrafsache drücken können sich die Wenigsten. Die Influencer und Influencerinnen sind verpflichtet, an das Finanzamt oder der Steuerbehörde - Auskünfte zu ihren Einnahmen und Auftraggebern zu geben.

Erleichternd kommt den Steuerbehörden noch zu Gute, das im Regelfall alle wesentlich zur Ermittlung erforderlichen Informationen öffentlich über das Profil in sozialen Netzwerken zur Verfügung stehen.

Im Übrigen gilt die „Straffreiheit“ in Bezug auf eine Selbstanzeige gem. § 371 Abs. 1 S. 1 AO nicht mehr, insofern das Finanzamt oder die Steuerbehörde vorher schon von der Steuerhinterziehung Kenntnis erlangt hat.

Zu so vielen „Regeln“ kommt auch noch zum Beispiel dazu, dass das „Kaufen“ von Followern sogar strafbar ist, wenn dadurch ein Vermögensvorteil erschaffen wird. Die Rechtsgrundlage findet sich hier in § 263 Abs. 1 StGB (Betrug).

Mit all seinen Nachteilen, hat die Tätigkeit als Influencer oder Influencerin seine Vorteile.

Unternehmen investieren mittlerweile sehr viel Geld in Influencer-Marketing und auch die Kaufentscheidung von jüngeren Menschen, wird heutzutage immens von der Wirkung der Influencer und Influencerinnen beeinflusst.

Dieser Umstand eröffnet auch in Zukunft einen attraktiven Markt für kreative, ehrgeizige und talentierte Werbeträger im Internet, mit dem sich durchaus gutes Geld verdienen lässt.

Allerdings, ein professioneller Influencer oder eine Influencerin zu sein, ist abschließend definiert kein „Kinderspiel“, sondern eine unternehmerische Beschäftigung, bei der bestimmte Regeln einzuhalten sind.

Zu den erfolgreichsten „Macro-Influencern“ bzw. „Mega-Influencern“ auf „Instagram“ im Allgäu, können sich derzeit der in Memmingen geborene Fußballspieler Mario Götze (7,9 Millionen Follower) sowie der Kemptener und ehemalige Formel-E-Rennfahrer Daniel Abt (377.000 Tausend Follower) und die aus Füssen stammende Reisebloggerin Vivian Velle (316.000 Tausend Follower) zählen.

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