Wir geben diesen Menschen eine Stimme

Memmingen Mit einem kurzfristig in den Spielplan eingeschobenen Projekt greift das Landestheater Schwaben ein brandheißes Thema auf: Menschenrechte. In einer von LTS-Intendant Walter Weyers und Oberspielleiter Peter Kesten inszenierten Lesung werden Gedichte aus dem Buch 'Poems from Guantánamo' (Gedichte aus Guantánamo) rezitiert. Anschließend wird ein prominent besetztes Podium darüber diskutieren (siehe eigenen Artikel). Volker Klüpfel sprach mit Walter Weyers über das Projekt.

Herr Weyers, wie kamen Sie auf die Idee zu der szenischen Lesung?

Weyers: Ich habe von dem Buch gelesen und spontan gedacht: Das bringen wir auf die Bühne. Wir geben diesen Menschen eine Stimme.

War es schwer, die Aufführungsrechte zu bekommen?

Weyers: Gar nicht. Wir haben beim Herausgeber, der Universität von Iowa in den USA angerufen. Bisher hat -mit einer Ausnahme in Spanien - niemand eine Lesung mit den Gedichten veranstaltet. Bis zum Sommer haben wir nun die Exklusivrechte für Deutschland. Wir dürfen den Abend auch aufzeichnen und ins Internet stellen. Das sind sehr weit reichende Rechte.

Was hat Sie bewogen, die Gedichte auf die Bühne zu bringen?

Weyers: Es geschehen Dinge auf der Welt, die wir nicht gut heißen können. Auf Guantanamo sind Menschen ohne rechtsstaatliches Verfahren in Haft. Ich bin der Meinung, dass Theater ein Ort des Diskurses sein soll.

Wie wird der Abend aussehen?

Weyers: Das ästhetische Konzept sieht so aus: Schauspieler werden die von mir übersetzten Texte auf englisch und deutsch lesen. Dabei werden die Sprecher auf eine Leinwand projiziert. Der Text läuft auf einem Band im Zuschauerraum mit.

Wovon handeln die Gedichte?

Weyers: Sie thematisieren immer die Haft. Aber nicht konkret, sondern bildhaft.

Mit welchem Tenor?

Weyers: Verzweiflung. Und einer Zuversicht, dass Gott die Rettung bringt. Manchmal spürt man auch eine Aggressivität durch.

Man merkt, dass Ihnen das Thema am Herzen liegt

Weyers: Ich bin die Fragen leid, ob unter gewissen Bedingungen Folter erlaubt sein sollte. Menschen, die so etwas fragen, haben ein Rad ab. Entweder wir sind Christen, entweder wir sind aufgeklärt - dann verbietet sich diese diese Frage. Ich finde es völlig richtig, dass alles getan wird, den Terrorismus zu bekämpfen. Aber dieser Kampf darf nicht dazu führen, dass das bedroht wird, was wir eigentlich schützen wollen.

Zunächst ist nur eine Lesung geplant, am Freitag, 18. Januar, 20 Uhr im Stadttheater Memmingen. Ist das Interesse groß genug, sollen weitere folgen. Karten gibt es unter Telefon 08331/9459-16.

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