Eisessen
Sommer im Allgäu: Ohne italienisches Eis nur halb so schön

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Die meisten Menschen haben ihre Eisdiele. Eine Eisdiele, in der das Eis besonders gut schmeckt. Fragt man, warum es jemandem dort so gut schmeckt, kommt als Antwort oft: Weiß nicht, schmeckt halt. Wir haben einen italienischen Eismacher in Kempten besucht, um herauszufinden, was gutes Eis ausmacht.

"Bei uns gibt es keine fertige Mischung. Wir machen alles selbst!" Adriano Colle (42) macht seit 25 Jahren Eis, seit über 20 Jahren in Kempten. Es komme schonmal vor, dass Kunden fragen: "Haben Sie hier Schöller oder Mövenpick?" - Damit muss man leben als italienischer Eiskünstler. 164 Sorten hat er im Repertoire, allerdings nicht gleichzeitig in der Theke. Am besten gehen nach wie vor die Klassiker: Schokolade, Erdbeer, Vanille, Nuss.

Von Schlumpfeis in grellem Blau hält er selbst nicht viel, auch wenn er es produziert. Die Kinder fragen danach. Ansonsten legt Adriano Wert darauf, dass man dem Eis die natürlichen Zutaten (Butter, Eier, Frischmilch, "richtige" Früchte) auch ansieht. Am Aussehen kann man nämlich am besten erkennen, ob es natürliches Eis ist oder künstliches Industrieeis. Weitere Kriterien für "gutes Eis" sind Cremigkeit, die man dem Eis oft auch schon in der Theke ansieht (oder auch nicht) und Sauberkeit in der Eistheke.

Das Eismachen hat er auf einer italienischen Schule gelernt. Die Basis allerdings kam vom Vater, von dem er die Leidenschaft für das Eismachen geerbt hat. Am wichtigsten sind natürliche Zutaten. Frische Milch beispielsweise sei viel besser als H-Milch. Frische Erdbeeren kann man nicht ersetzen durch Sirup. Den gibt es zwar auch in der Eisküche von Adriano, aber er verwendet ihn mehr wegen der Optik, nicht wegen des Geschmacks: "Damit erreichen wir den Marmor-Effekt."

Er selbst isst immer noch gerne Eis. Allerdings nicht ganze Kugeln. Wenn man tagsüber selbst Eis produziert, es immer wieder versucht, neue Kreationen ausprobiert, hat man eher weniger Lust auf einen Eisbecher mit vier Kugeln. Aber ein bisschen Zitroneneis zum Feierabend darf es schonmal sein.

In Kempten fühlt sich Adriano Colle sehr wohl. Kempten lässt ihm "viel Platz für Ideenentfaltung", sagt er, weil er in Kempten nicht nur Stammkunden mit ihren speziellen Wünschen hat, sondern auch viel Laufkundschaft, an der er neue Kreationen testen kann.

Acht Monate pro Jahr hat Adriano Zeit, um sein Eis zu verkaufen. Den Rest des Jahres gibt es an der Stelle Lebkuchen zu kaufen. Das schlechte Wetter im Frühjahr und der sehr schleppende Sommer haben natürlich das Geschäft nicht gerade auf Trab gebracht. In seiner Heimat, dem Cadore-Tal war der Sommer bisher allerdings (fast) genauso schlecht. Dieses Tal, in dem Adriano seine Kindheit und Jugend verbracht hat, ist auch bekannt als "Tal der Gelatieri", also "Tal der Eismacher". Eis ist für diese Gegend das, was der Käse für das Allgäu bedeutet: Heimat der Spezialitäten.

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