Kokain
Rauschgiftskandal: Hätten Vorgesetzte den Drogenkonsum von Kommissar Armin N. mitbekommen müssen?

Heftige Vorwürfe gegen das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten wurden am Mittwoch im Innenausschuss des bayerischen Landtags erhoben. Vertreter der Opposition bezweifelten, dass die Vorgesetzten des obersten Allgäuer Drogenfahnders Armin N. nichts von dessen jahrelangem Kokaingebrauch gemerkt haben.

Dieser ist wegen des Besitzes von 1,8 Kilogramm Kokain, Misshandlung und Vergewaltigung seiner Frau und Trunkenheit am Steuer angeklagt. .

Ein intelligenter Konsument sei durchaus in der Lage, seinen Kokaingebrauch zu verbergen. 'Es ist nicht zwangsläufig, dass Kollegen oder Vorgesetzte so etwas automatisch mitkriegen', sagt Ormanns auf Nachfrage der Allgäuer Zeitung.

Der Mediziner ist nicht irgendein Psychiater. Er wird laufend vom Landgericht Kempten als Gutachter bestellt. Zudem ist er seit zehn Jahren Ärztlicher Direktor der Forensischen Klinik in Kaufbeuren, in der verurteilte psychisch Kranke und Drogenabhängige behandelt werden. Von den 185 Betten des Krankenhauses sind im Schnitt zwei Drittel mit Patienten belegt, die wegen Drogendelikten eine Therapie machen müssen. Viele von ihnen haben jahrelang Kokain konsumiert - so, wie es bei Kripokommissar Armin N. wohl der Fall gewesen ist.

Wie wirkt Kokain?

Nimmt man Kokain, fühlt man sich euphorisch, leistungsfähig, äußerst selbstbewusst, redegewandt und redebedürftig, sehr fit und man wird so schnell nicht müde. Wird das Kokain - wie es häufig vorkommt - geschnupft, dann hält die Wirkung 30 bis 45 Minuten an. Kokain macht übrigens nur psychisch abhängig. Weil man nach dem Konsum schnell in ein 'Loch' fällt, dem man durch eine erneute Dosis entkommen möchte.

Jahrelanger Kokainkonsum bewirkt laut Ormanns vielfältige Symptome: Durch das verminderte Hunger- und Durstgefühl nehmen viele Abhängige ab. Es treten Schlafstörungen auf, die gern wiederum mit Beruhigungsmitteln bekämpft werden. 'Ganz oft wird Kokain auch zusammen mit Alkohol konsumiert. Mir wird immer wieder berichtet, dass die Alkoholwirkung dann viel schwächer wahrgenommen wird, als sie ist', sagt Ormanns.

Auch Armin N. trank offenkundig reichlich. Viele chronische Konsumenten werden fahrig, nervös, teils aggressiv, fühlen sich verfolgt, sind schreckhaft. 'Die oft zitierte Schniefnase, die durch die vom Kokain zerfressene Nasenscheidewand entsteht, ist allerdings viel weniger auffällig, als man gemeinhin denkt.' Das sind nun eine ganze Reihe von Symptomen.

Aber viele Abhängige kennen diese ganz genau. Sie bauen deshalb eine effektive Fassade auf, um solche Symptome zum Beispiel im Berufsleben zu verbergen. Das sei natürlich auch bei Armin N. denkbar. 'Wenn der Betreffende dann noch ein sehr aktiver, extrovertierter Mensch ist, überdeckt dies schnell bestehenden Kokaingebrauch', sagt Ormanns.

Am ehesten bemerkten enge Angehörige und Freunde einen solchen Konsum. 'Im beruflichen Umfeld kann das auch der Fall sein, muss es aber nicht.' Aus seiner Sicht könne man deshalb den Vorgesetzten von Armin N. nicht vorwerfen, sie hätten den Konsum bemerken müssen.

Autor:

Markus Bär aus Kempten

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