Advent
Passanten in der Kemptener Fußgängerzone singen ihre Lieblings-Weihnachtslieder

Wer traut sich vor der Kamera zu singen? Wir haben Passanten in der Kemptener Fußgängerzone gebeten, ihr Lieblings-Weihnachtslied für uns anzustimmen.

Alle Jahre wieder beschallen uns die Radiostationen ab Ende November mit den Weihnachtsklassikern der Popmusik. Die (mehr oder weniger) stimmungsvolle Musik gehört zum Advent wie Plätzchen, Glühwein und im besten Fall Schnee. Selbst der unmusikalischste Weihnachts-Fan muss zugeben, sich in dieser Jahreszeit gelegentlich dazu hinreißen zu lassen, auch mal bei "Last Christmas" mitzusummen. Natürlich wenn keiner zuhört.

Viele der bekannten Weihnachtslieder haben eine lange Tradition und sind in den Gesangsbüchern der Kirche verwurzelt. Aber auch die Musikindustrie hat sich dem Thema Weihnachten angenommen und Weihnachtslieder als Verkaufsschlager und Chartstürmer produziert.

Ein paar Fakten zu mehr oder weniger bekannten Weihnachtsklassikern aus religiöser und Pop-Musik haben wir hier für Sie zusammengetragen. Zum Anhören gibt es die Lieder in unserer Spotify-Playlist.

Traditionelle Klassiker unterm Weihnachtsbaum

Stille Nacht

Stille Nacht ist wohl eines der weitverbreitetsten Weihnachtslieder überhaupt. Ein deutscher Weihnachts-Export-Schlager sozusagen: Die englische Aufnahme von Bing Crosby aus dem Jahr 1935 verkaufte sich 10 Millionen Mal. In Österreich gilt es sogar als immaterielles Kulturerbe. Menschen in aller Welt singen die Weise heute in über 300 Sprachen und Dialekten. Sogar eine eigene Stille-Nacht-Gesellschaft hat sich die Verbreitung von authentischen Fassungen des Liedes und die Erforschung der Entstehung zur Aufgabe gemacht.

An Heiligabend 1818 führten der Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber (1787-1863) und der Hilfspfarrer Joseph Mohr (1792-1848) das Weihnachtslied nahe Salzburg zum ersten Mal auf. Mohr hatte den Liedtext bereits 1816 geschrieben. Im Original hat das Gedicht übrigens sechs Strophen – gesungen werden heute davon nur drei: die erste, zweite und sechste.

Ihr Kinderlein kommet

Das Lied stammt aus dem 18. Jahrhundert und hieß ursprünglich Die Kinder bey der Krippe. Damals hatte es sogar eine ganz andere Melodie. Die heute geläufige Version ist vom Lüneburger Komponisten Johann Abraham Peter Schulz aus dem Jahr 1790. In Island verbindet allerdings niemand die Melodie mit Weihnachten. Der Isländische Poet Þorsteinn Erlingsson hat es dort zu einem beliebten Sommerlied namens Nú blika við sólarlagumgedichtet. Das gibt es hier zum Anhören.

O du fröhliche

"O du fröhliche" ist in der Urfassung gar kein Weihnachtslied, sondern ein sogenanntes "Allerdreifeiertagslied". Gesungen wurde es zu den drei wichtigsten christlichen Feiertagen Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Johannes Daniel Falk, Mit-Begründer der Jugendsozialarbeit, widmete es 1816 den Waisenkindern, die er in seinem "Rettungshaus für verwahrloste Kinder" aufnahm. Erst Jahre später machte ein Mann namens Heinrich Holzschuher es zu einem reinen Weihnachtslied: Er übernahm die erste Strophe von Falk und dichtete die zweite und dritte Strophe um.

"Alle Jahre wieder" im Radio

Wham! – Last Christmas

Die einen lieben es, die anderen hassen es: "Last Christmas" ist wohl das ultimative Weihnachtslied der Popmusik und spaltet die Gemüter wie kein anderes. George Michael schrieb es im Jahr 1984. Seitdem wird der Song fast jedes Jahr neu veröffentlicht. Regelmäßig ist es um die Weihnachtszeit auch heute noch in den Charts vertreten – auch wenn es, trotz seiner Bekanntheit, nie Platz eins erreichen konnte. Eine mögliche Erklärung für den großen Erfolg des Liedes liefert der Karikaturist Ralph Ruthe:

Im Erscheinungsjahr verkaufte sich "Last Christmas" allein in Großbritannien 1,4 Millionen Mal. Von den Einnahmen sah die Band allerdings erst einmal nichts: Kurz nach der Veröffentlichung klagte der Musiker Barry Manilow, wegen der starken Ähnlichkeit von "Last Christmas" zu seinem Lied "<a href=https://www.youtube.com/watch?v=IT6O-ir55Jc>Can't Smile without you</a>". Man einigte sich außergerichtlich: Die Einnahmen des ersten Jahres gingen komplett an das ebenfalls weihnachtliche Projekt Band Aid.

Band Aid – Do they know it’s Christmas

Bob Geldof rief das Projekt Band Aid ins Leben, nachdem er im November 1984 eine Reportage über die Hungersnot in Äthiopien gesehen hatte. Mit Unterstützung von 39 hochkarätigen Musiker-Freunden, darunter Sting, Bono (U2), Phil Collins, Paul McCartney und George Michael, hat er einen Benefiz-Song aufgenommen. In nur 24 Stunden war "Do they know it's Christmas?" aufgezeichnet.

Es folgte ein Riesen-Erfolg: In 13 Ländern weltweit schaffte es der Song auf Platz eins der Charts und spielte im Erscheinungsjahr rund zwölf Millionen Euro ein. Mittlerweile wurde das Projekt Band Aid vier Mal neu formiert, der Song vier Mal neu eingespielt. Immer kamen die Erlöse einem wohltätigen Zweck zu Gute.

Bing Crosby – White Christmas

"White Christmas" gilt als meistverkaufte Single aller Zeiten. Die genaue Verkaufszahl ist umstritten. Zwischen 30 und 50 Millionen Mal verkaufte sich die Version aus dem Jahr 1947. Komponiert hat den Verkaufsschlager ausgerechnet ein Mann, der weder Noten lesen noch schreiben konnte: Irving Berlin. Bei der Niederschrift half ihm sein Sektretär.

Jazz-Sänger Bing Crosby war von dem Stück begeistert, als Berlin es ihm vorstellte. 1942 sang er es zum ersten Mal ein und traf mit der Single den Nerv der Zeit wie kein anderes Lied: Nur kurze Zeit zuvor waren die Vereinigten Staaten in der Zweiten Weltkrieg eingetreten. Das schlicht gehaltene Lied, der melancholisch vorgetragene Wunsch nach einer Weißen Weihnacht weckte bei Vielen die Sehnsucht nach einer glücklicheren Zeit.

Bis heute ist der Erfolg des Liedes ungeschlagen. Weltweit gibt es über 500 Versionen. Das Song-Urheberrecht gilt als das wertvollste der Welt.

Chris Rea – Driving home for Christmas

Weihnachten ist die Zeit des Heimkommens und der Familie. Chris Rea verpackt das Gefühl der Vorfreude auf zu Hause in seinem Song "Driving home for Christmas" aus dem Jahr 1986. Die Idee zu dem Lied kam ihm, als er und seine Frau in deren Mini im Verkehr feststeckten. Sie waren auf der Heimfahrt von London nach Middlesbrough, im Nordosten Englands.

Unbekanntere Weihnachts- und Adventslieder

Es wird scho glei dumpa

"Es wird scho glei dumpa" ist ein Weihnachtslied aus Österreich. Anton Riedinger schrieb es Ende des 19. Jahrhunderts. Die Meldodie beruht auf einem alten Marienlied. Als Wiegenlied für das Christkind verbindet es den Volksglauben mit der Weihnachtsgeschichte.

Andachtsjodler

"Was kann ein Jodler nicht alles sein und ausdrücken: Vom Brunftschrei der Lebenslust bis zur Andacht vor dem Allerheiligsten", schrieb der bayerische Musiker Ludwig Kusche 1963 zum Thema Jodler ganz allgemein. Der Andachtsjodler, auch manchmal Mettenjodler genannt, zeigt die besinnliche Seite des alpenländischen Gesanges.

Zur Entstehung des Andachtsjodlers gibt es zwei Meinungen: Manche meinen, er wurde aus der Volksfrömmigkeit heraus quasi laienhaft in die Kirchenmusik übernommen. Annette Thoma glaubte hingegen eher daran, die Melodie gehe "bestimmt auf ein altes Kirchenlied zurück, dessen Text jener älplerische Bursch, von dem es vor 150 Jahren überliefert wurde, sich nicht hat merken können. Daher der Jodlertext."

Lieb’ Nachtigall wach auf

Was hat denn die Nachtigall mit Weihnachten zu tun? Die Bibel erwähnt den unscheinbaren Vogel mit der wunderschönen Singstimme nämlich nicht. Trotzdem gilt der Vogel, der vor allem nachts singt, von Europa über Persien bis Asien als positives Symbol: Ihr Gesang soll Glück bringen, Schmerzen lindern und im Leid trösten. Außerdem steht sie für die Liebe. In dem Lied wird die Nachtigall dazu aufgerufen, zur Krippe zu fliegen, dort für das "fast erforene" Jesuskind zu singen und es auf Erden zu begrüßen.

Melodie und Text dieses Weihnachtsliedes gehen auf eine Sammlung aus dem Jahr 1670 zurück. Zumindest ist "Degens Bamberger Gesangbuch" die älteste Quelle, in der es auftaucht. Genaueres über die Herkunft ist nicht bekannt.

Maria durch ein Dornwald ging

Ursprünglich ist "Maria durch ein Dornwald ging" gar kein Adventslied, sondern schlicht ein Lied, das zur Wallfahrt gesungen wurde. Der Text ist angelehnt an eine Stelle im Lukasevangelium. In der Geschichte besucht die schwangere Maria eine Verwandte, Elisabeth. Das Lied erzählt davon, dass Maria auf ihrer Reise durch einen Dornenwald kommt – ein Symbol für Tod und Unfruchtbarkeit. Doch durch das göttliche Kind in ihrem Bauch, fängt der Wald nach sieben Jahren wieder an zu blühen.

Überliefert wurde das Lied im 18. Jahrhundert zuerst mündlich. Von ursprünglich sieben Strophen werden heute nur die ersten drei gesungen.

Das Team von all-in.de wünscht eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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