Obduktion nur bei Straftaten

Kempten | bil | An was ist er oder sie genau gestorben? Diese Frage kann in vielen Fällen, in denen jemand überraschend ums Leben kam, letztlich nur in einer Obduktion geklärt werden. Im Fall eines 57-Jährigen, der tot in einem Technikraum des Kemptener Klinikums gefunden wurde, wurde die Leiche gerichtsmedizinisch untersucht. Der verunglückte 14-jährige Skispringer, der in Oberstdorf ums Leben kam, wurde hingegen nicht obduziert. Wir sprachen mit dem Pressesprecher der Kemptener Staatsanwaltschaft, Peter Koch, darüber, wann ein Leichnam genauer untersucht wird und wann nicht.

Wann findet eine Obduktion statt: Sobald ein Arzt einen unnatürlichen Tod feststellt?

Koch: Attestiert ein Arzt einen unnatürlichen Tod, müssen Staatsanwaltschaft und Polizei verständigt werden. Es kommt aber nicht zwangsläufig zur Obduktion. Eine Leichenöffnung unterbleibt, wenn schon die ersten Ermittlungen ergeben, dass keine Straftat im Raum steht oder die Leichenöffnung zum Nachweis einer Straftat offensichtlich nicht erforderlich ist.

Wie ist das bei Opfern von Unglücksfällen, wie bei dem in Oberstdorf verunglückten Skispringer? Muss in einem solchen Fall nicht obduziert werden, um die genaue Todesursache herauszufinden? Schließlich kann es möglicherweise dazu beitragen, ein anderes Unglück zu verhindern.

Koch: Bei Opfern von Unglücksfällen kann aus den bereits genannten Gründen häufig eine Obduktion unterbleiben. Im Falle des verunglückten Skispringers steht fest, dass der Jugendliche durch den Anprall nach dem Sturz zu Tode kam, so dass eine Obduktion aus Beweisgründen nicht erforderlich war. Die Staatsanwaltschaft darf Obduktionen nur zum Zweck der Strafverfolgung veranlassen und nicht, um andere Unglücke zu verhindern

Passiert es häufig, dass sich Verwandte gegen eine Obduktion ihres Angehörigen wehren?

Koch: In der Regel wehren sich Verwandte nicht gegen eine Obduktion. Der Polizei und der Staatsanwaltschaft ist es bisher stets gelungen, die Angehörigen von der Notwendigkeit der Leichenöffnung zu überzeugen und deren Einverständnis zu erlangen. Zahlreiche Verwandte stehen einer Obduktion sogar positiv gegenüber, da sie in Erfahrung bringen wollen, woran genau die/der Angehörige verstorben ist.

Was genau war die Todesursache des 57-Jährigen Klinik-Patienten?

Koch: Das konnte durch die Obduktion noch nicht geklärt werden. Es steht fest, dass ihm keine Verletzungen zugefügt wurden, die zu seinem Tod führten. Ein Gewaltdelikt ist also ausgeschlossen. Woran er letztlich starb, ist aber unklar. Dazu sind weitere Untersuchungen nötig.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019