Nur die Tastatur blieb gleich

Kemptenl feß l Bei der 11. Allgäuer Lehrstellenbörse am Samstag, 1. März, lautet das Schwerpunktthema Technische Berufe. Die Technik steht auch im Mittelpunkt, wenn am Samstag, 5. April, im Zuge der Allgäuer Lehrstellen-Offensive erstmals der Tag der offenen Lehrwerkstätten im Allgäu über die Bühne geht.

Technische Berufe haben in den letzten Jahren einen enormen Wandel erfahren. Dies hat auch Dieter Frick, Textverarbeiter bei unserer Zeitung, miterlebt. In 50 Jahren hat sich sein Berufsbild des Schriftsetzers völlig gewandelt.

Was war die größte Veränderung in Ihrem Berufsleben?

Dieter Frick: Das war ganz eindeutig die Umstellung von Bleisatz auf Fotosatz. Plötzlich saß ich auf einem Stuhl vor einem Bildschirm. Davor stand ich am Setzkasten und habe Buchstaben für Buchstaben gesetzt. Die Umstellung von Bleisatz auf Fotosatz kam in Jahre 1980. Es geschah auch nicht schlagartig von einem Tag auf den anderen sondern etappenweise. Es musste ja auch der angefangene Bleisatz bis zum fertigen Druck beendet werden. Wir arbeiteten da noch zweigleisig. Bis der Bleisatz endgültig verschwand, verging mindestens noch ein Jahr.

Welchen Beruf haben Sie erlernt und was waren ihre Aufgaben?

Frick: Ich habe eine Schriftsetzer-Lehre gemacht. Das war ein richtig handwerklicher Beruf. Von Hand hat man ja die einzelnen Buchstaben gesetzt. Bei der Prüfung musste man dann 1600 Buchstaben in einer Minuten setzten. Das war aber zu schaffen. Wir haben nicht nur Artikel der Allgäuer Zeitung gesetzt, sondern auch Bücher zum Beispiel Romane oder Fachbücher und Anzeigen.

Wie nennt sich Ihr Beruf heute?

Frick: Heute bin ich Textverarbeiter.

Vom Schriftsetzer zum Textverarbeiter: Wie hat sich der Beruf dann schrittweise verändert?

Frick: Vieles hat sich seitdem verändert. Heute kann man zum Beispiel wenn man eine Überschrift macht, einfach ausprobieren, ob sie in der Größe in die Zeile reinpasst. Im Bleisatz musste man zuerst überlegen ob es geht, bevor man anfängt die Buchstaben zu setzen. Denn wenn man bei den letzten zwei Buchstaben merkt, dass es knapp wird, hat man die ganze Arbeit umsonst gemacht. Vom Schriftsetzer habe ich dann umgeschult zum Maschinensetzer. Dort sammelte man die Buchstaben nicht mehr einzeln im sogenannte Winkelhaken, sondern tippte sie an einer Maschine ein. Das kann man mit einer Schreibmaschine vergleichen. Dann kam die Umstellung zum Fotossatz mit der Arbeit am Computer.

Passierten die Veränderungen immer im gleichen Tempo?

Frick: Nein. Zu Zeiten des Bleisatzes ging es ganz langsam - im Fotosatz dann alles rasend schnell. Ständig neue Programme und Betriebssysteme mit ganz anderen Befehlsketten. Ich musste komplett umlernen. Der Vorteil war jedoch, dass ich ja durch meine Arbeit als Maschinensetzer schon mit der Tastatur vertraut war.

So viele Veränderungen sind eine ständige Herausforderung - auch eine Belastung?

Frick: Ich habe es immer als interessant und spannend empfunden. Es kommt immer wieder etwas Neues dazu. Es ist ja auch immer mehr so, dass man im Berufsleben bis zum letzten Arbeitstag etwas dazu lernt.

Die 11. Allgäuer Lehrstellenbörse findet am Samstag, 1. März, von 10 bis 16 Uhr im Berufsschulzentrum Kempten und im Berufs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer statt. Veranstalter sind: Allgäuer Zeitung, Berufs- und Technologiezentrum, Technikerschule Allgäu, Arbeitsagentur Kempten, Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer Schwaben sowie folgende Kemptener Schulen: Berufsschule 1, 2, und 3, Wirtschaftsschule. Der Eintritt ist frei.

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