Reportage
Kemptener Tätowierer spricht über die Verbindung von Kunst und Handwerk

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Früher verpönt, heute Mainstream: Tattoos. Laut aktuellen Studien sind 10 Prozent der Deutschen tätowiert. Von den 30- bis 39-Jährigen ist es sogar fast ein Viertel. Mit dieser Entwicklung hat sich auch das Berufsbild des Tätowierers gewandelt.

Früher Bürgerschreck, heute Teil der "ganz normalen" Gesellschaft: Tätowierer sind mittlerweile in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Längst haben sie den Nimbus von Knast und Rotlicht hinter sich gelassen. Emanuel Nüßle, genannt "Emmi", hat sein Tattoo-Studio seit Februar 2013 in seiner Heimatstadt Kempten. Der 33-Jährige ist Künstler, seit er denken kann. Mit 11 Jahren malt er die ersten Portraits, und Portraits sind auch beim Tätowieren sein Markenzeichen. Gute Portraits stechen kann nicht jeder.

Die Gewichtung zwischen Handwerk und Kunst beim Tätowieren empfindet er als etwa 50:50. Tätowieren kann jeder, sagt er, aber "die Künstler kristallisieren sich dann einfach raus."

Bei den Motiven richtet sich Emmi nach den Kunden - natürlich. Auch wenn er selbst gerne mehr mit realistischen Motiven arbeiten würde, beispielsweise eben mit Portraits. Beratung ist ganz wichtig, nicht jedes Motiv, das Kunden mitbringen, ist sinnvoll und passend. "Wir versuchen, das beste draus zu machen."

Die Verantwortung des Tattoo-Künstlers ist groß. Bestimmte Motive lehnt Emmi strikt ab. Rechtsradikale Motive sticht er nicht. Ein 18-jähriges Mädel, das den Namen des Freundes als Liebesbeweis quer über den Steiß tätowieren lassen will, hat bei ihm ebenfalls keine Chance: "Das mach ich nicht. Da habe ich selbst schon zu viele Cover-Ups gemacht, um das wieder wegzukriegen." Selbst bei Verheirateten macht er keine Ausnahme. Die Namen der Kinder - ein sehr beliebtes Motiv - seien dagegen gar kein Problem.

Eines seiner ungewöhnlichsten Motive bisher: ein König-Ludwig-Portrait mit Bayern-Wappen und Schloss Neuschwanstein. Die junge Frau hat damit ihren Geburtsort verewigt. Das sei "nicht jedermanns Geschmack, aber ich finde es cool."

Wie ist das mit der "Mode"? Wie steht Emmi zum Delfin auf der Schulter und zum sogenannten "Arschgeweih"? "Das geht gar nicht. Das war vor Jahren mal 'in', das wollen wir heutzutage nicht mehr haben." Ebenso wie Tribals, die er nicht mehr sticht. Schriftzüge seien gerade in Mode, aber dagegen sei auch nichts einzuwenden.

Er selbst ist für einen Tätowierer relativ wenig tätowiert. Selbst würde er sich ohnehin nicht tätowieren, dazu sei er "zu sehr Weichei".

Autor:

Holger Mock aus Kempten

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