Geigen singen, Harfen rauschen

Von Irmtraud Brunk | Kempten Ein unterhaltsames wienerisches Programm präsentierten die Münchner Symphoniker in der Klassik-Box und knüpften dabei an die Tradition der Neujahrskonzerte großer Orchester an. Das kam in Kempten gut an, belegt durch einen sehr guten Besuch (über 800 Zuhörer) und starken Applaus, der sich am Ende bei den Zugaben - Radetzky-Marsch und Donauwalzer, was sonst? - zum Mitklatschen und Trampelbeifall steigerte.

Aber auch die Münchner Symphoniker unter der Leitung ihres Chefidirigenten Georg Schmöhe schienen sich in der weiten Halle recht wohl zu fühlen. 'Das klingt schön hier', meinte Hans Brünig, geschäftsführender Intendant der Münchner Symphoniker, der die Moderation des Programms übernommen hatte.

Populäre Musik im Wien des 19. Jahrhunderts hatte eine Vielseitigkeit und Klangqualität, die heute in diesem Genre nicht mehr erreicht wird. Da durften Geigen noch singen und schwelgen, Flöten zwitschern, Harfen rauschen, die Pauke knallen wie Böllerschüsse, Kontrabässe Polka- und Walzertakte schrummen, dass sie in die Beine gingen. Und der melodiöse Einfallsreichtum reichte weit über zwei Takte hinaus mit nicht enden wollenden Walzerketten und vorangestellten Ouvertüren.

Letzte Adresse: Zentralfriedhof

Dies alles erweckten die Symphoniker zum Leben, unsterbliche Melodien von Komponisten, deren letzte Adresse Wiener Zentralfriedhof hieß, wie Hans Brünig bei der Vorstellung der Biografien stets lakonisch anmerkte. Der Ostpreuße Otto Nikolai ausnahmsweise nicht, doch passte er in das Wiener Programm als Mitbegründer der Wiener Philharmoniker. Die Ouvertüre seiner Oper 'Die lustigen Weiber von Windsor' nach Shakespeares 'Falstaff'-Stoff eröffnete, heiter und beschwingt, den Abend.

Dass auch die großen Klassiker dem Volkstanz Aufmerksamkeit schenkten, unterstrichen Kontretänze von Mozart und Beethoven. Dann aber hatte ein Mega-Musik-Unternehmen des 19. Jahrhunderts seinen großen Auftritt: Johann Strauß und Söhne Johann jun., Josef und Eduard sowie Josef Lanner als Kompagnon (und Konkurrent). Liebevoll, angeregt und mit exquisiter Klangqualität nahmen sich die Münchner der prächtigen Stücke an, wie die Annen-Polka, die zierlich gezupfte Pizzikato-Polka, Walzer satt, dazwischen auch mal 'Carmen' im Schnelldurchgang einer Carmen-Quadrille, eine Polonaise von Carl Michael Zierer und die 'Badner Madl’n' von Karl Komzak, die beide ebenfalls zu den Wiener-Walzer-Talenten zählten.

Auch einer weiteren musikalischen Dynastie Wiens, den Hellmesberger, wurde mit einem zierlich huschenden Elfenreigen gedacht. Ein wirkungsvolles Finale war schließlich mit der Ouvertüre zu 'Leichte Kavallerie' von Franz von Suppé erreicht. Das Publikum ließ sich schnell einstimmen in den Reiz dieser Tänze, den die Münchner Symphoniker klangschön und mit rhythmischer Brillanz zum Funkeln brachten. 'Bis zum nächsten Jahr!' hieß es zum Abschied.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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