Heilpädagogik
Der Hummelhof in Elmatried bei Kempten: Ein ganz besonderer Bauernhof

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Läuse und Wanzen gehören zum Ganzen. Für Lehrer und Landwirt Bernhard Hummel ist dieses Goethe-Zitat ein passendes Sinnbild: Auf dem 20 Hektar großen Hof in Elmatried nahe Kempten lebt der 61-Jährige mit Großfamilie in Einklang mit Tier- und Pflanzenwelt.

Eigentlich wollte der gebürtige Freiburger nach dem Abitur Elektronik studieren. "Ich lernte: Da ist Plus, da ist Minus – und dazwischen, was ist da? Langeweile!" Hummel wollte mehr. Er wollte dahin, wo das Leben spielt und entschied sich für eine Lehre in der Landwirtschaft.

Als seine Frau Andrea 1977 zum ersten Mal schwanger wurde – mittlerweile haben die Beiden acht Kinder –, zog das Paar nach Kempten. Im Allgäu hatten sie Kontakte zur Freien Waldorfschule Kempten, mittlerweile "Freie Schule Albris".Seit Anfang der 90er-Jahre ist Hummel dort als Lehrer für Gartenbau angestellt und erfüllte sich gleichzeitig den Lebenstraum vom eigenen Hof in Elmatried: Der sollte etwas Besonderes sein. Heute betreibt Familie Hummel ihn, mit Unterstützung durch einen gemeinnützigen Verein, als pädagogischen Bauernhof mit heilpädagogischer Tagesstätte.

Zusammen mit hunderten Schülern formte er die Landschaft über die Jahre so, wie sie heute auf dem Hummelhof zu bewundern ist. Er schuf Gemüsegärten, Blumenbeete, kleine Wälder und Hecken, Wasser- und Steinlandschaften, wie das Schlangenparadies. Auch bei der Errichtung der Ställe waren seine Schüler beteiligt: Mit der Hilfe von Drittklässlern entstand etwa der künstlerische Kuhstall mit Blick in die Landschaft. Den Tieren auf dem Hummelhof, alles ausschließlich bedrohte Nutztierrassen, soll es gut gehen.

Selbstverständlich werden die Hummelhof-Tiere auch nicht gemolken oder geschlachtet: Wir nutzen die Tiere nicht um sie zu essen. Bernhard Hummel betrachtet sie mehr als Familien- und Vereinsanhang. Oft singt Hummel für sie oder trägt ihnen Gedichte vor, striegelt sie und geht mit ihnen spazieren. Bleiben dürfen sie auf dem Hummelhof, bis sie an Altersschwäche sterben.

Neben Hinterwälder Rindern, zwei Ziegen, Schafen, Pferd Minka, den Schweinen Stunki und Kunki, Hühnern und Enten liegen Hummel auch die Wildtiere am Herzen. Insekten wie Wildbienen, Wespen und Hummeln, Regenwürmer, Fledermäuse, Igel und Vögel: Sie alle sollen sich auf dem Hummelhof wohl fühlen und ein Zuhause finden. Jedes Tier ist für den 61-Jährigen wichtig.

Muss sich Bernhard Hummel doch einmal von einem Tier trennen, so ist das für ihn immer ein emotionaler Augenblick. Hummel selbst begleitet die Tiere auf ihrem letzten Weg, redet ihnen liebevoll zu, bis es vorbei ist. Wie im vergangenen Jahr Wallach Duplo, ein 34 Jahre alter Schwarzwälder Fuchs, der am Schluss einfach nicht mehr aufstehen konnte und am Ostersonntag eingeschläfert werden musste.

Trotz seiner tierlieben Art isst Hummel gerne ab und zu Fleisch. Zwar achtet er darauf, dass es sich um Fleisch von Bio-Erzeugern handelt, doch findet er: Ideologie schmeckt nicht. Und die sei heutzutage viel zu häufig in den Speiseplänen vertreten.

Was auf Hummels Land wächst, ist zum Einen für den Eigenbedarf, zum Anderen verkauft er es auch im Hofladen: getrocknetes Obst (Natur-Gummibärchen), Gemüse, Dessertwein (für die Damen), Honig und ganz viel Wolle von den Schafen, die zwei Mal im Jahr geschoren werden.

Seinen Hof betreibt Bernhard Hummel streng nach den Vorschriften von Demeter, also nach den Grundsätzen der von Rudolf Steiner begründeten biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Das Bio-Siegel klebt er aber nicht auf seine Erzeugnisse. Bernhard Hummel sieht solche Zertifikate, wie auch das EU Bio-Siegel, kritisch. Er brauche keinen Verband, der ihn kontrolliert. Ich muss mich selber kontrollieren, aus dem Herzen heraus. Und: Ein Großteil der Demeterei ist heute leider zum Marktmanagement geworden.

Bernhard Hummel geht es nicht um Vermarktung oder Wirtschaftlichkeit. Ich habe hier ein Paradies geschaffen, sagt er. Nur zehn Tage war Bernhard Hummel in den letzten 25 Jahren weg von seinem Hof. Trotzdem war die Arbeit an seiner Vision, wie er es nennt, nicht immer einfach: Sie können sich das gar nicht vorstellen, was es heißt, 25 Jahre an einem Traum, zu arbeiten. Nicht an einem Träumchen, manchmal war’s ein Alptraum. Manchmal waren die Visionen auch verschleiert oder weg. Doch immer habe seine Frau ihm zur Seite gestanden und ihn ermutigt, weiter zu machen.

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