Bühne für kreativen Nachwuchs

Von Stefan Dosch | Kaufbeuren Fast könnte man meinen, die beiden Eckpunkte stünden nicht miteinander in Beziehung. Dort der Anfang - eine Handvoll junger, theaterbegeisterter Leute, die in einem Jugendzentrum zum Workshop zusammenkommen. Und hier und heute zwei selbstbespielte Theaterhäuser mit mehreren Bühnen, ein umfangreicher Saisonplan, alle sechs, acht Wochen eine Neuinszenierung, insgesamt knapp 250 Kinder und Jugendliche unterm Dach. Im Lauf von 20 Jahren hat Kaufbeurens Kulturwerkstatt eine Metamorphose von bescheidenen Anfängen zur tragenden Säule im kulturellen Leben der Stadt durchlaufen.

Im Kern ist die Kulturwerkstatt ein Kinder- und Jugendtheater. Im eigenen Theater Schauburg oder in der KW 2, dem zweiten Standort, werden Stücke einstudiert und auf die Bühne gebracht. Doch der Selbstentwurf der städtisch getragenen Einrichtung weist über den Rampenhorizont hinaus. Man will hier keine jungen Leute zu Schauspielern machen (obwohl es einige gibt, die diesen Weg gegangen sind), man sieht sich, ohne jegliche Dogmatik, lieber als ein Biotop, das Heranwachsenden Orientierung bei der Persönlichkeitsentfaltung bietet.

Viele übernehmen Verantwortung

Die Mittel, die das Theater dazu bereitstellt, erscheinen dem Kulturwerkstatt-Leiter Thomas Garmatsch und seinen Mistreitern gerade recht, sieht man sich doch beeinflusst von einem erweiterten Theaterbegriff, wie ihn etwa der 'Rhythm is it'-Choreograph Royston Maldoom propagiert. Das schlägt sich nieder im hierarchischen Umgang. Hier kommandiert nicht nur der Chef, Verantwortung übernehmen viele, bis hinein in die Inszenierungen, wo den älteren Kulturwerkstatt-Mitgliedern nach Tutorenprinzip jüngere Spieler zugeordnet sind. Das Credo der Kulturwerkstatt, dass in jedem ein kreatives Potenzial vorhanden ist, zeigt sich immer wieder auch in integrativen Projekten. Unter den zahlreichen nach Alter gestaffelten Gruppen gibt es auch ein Behindertentheater, das erst im Herbst mit eigenem Stück vors Publikum trat.

Die kontinuierliche Arbeit mit der Vielzahl von Kindern und Jugendlichen wäre nicht möglich ohne solide finanzielle Basis. Dafür sorgt vor allem die private Antonie-Zauner-Stiftung, aber auch auch die Stadt engagiert sich nach Kräften. Vergangenes Jahr wurde ein ambitionierter Plan auf dem Weg gebracht, mit dem die Kulturwerkstatt zukunftsfähig gemacht werden soll und der ein Finanzvolumen von 300 000 Euro umfasst. Als erste Maßnahme erhielt die Schauburg eine je nach Platzbedarf variable Tribüne. Nicht weniger bedeutsam bei allen Vorhaben ist das engmaschige Netz freiwilliger Helfer - bevor die neue Tribüne kam, schaufelten Kulturwerkstatt-Eltern erst mal einige Tonnen Schutt von der Stelle.

Ein Stück für viele Spieler

Bei einer solchen Erfolgsgeschichte wäre zum Jubiläum eigentlich ein großes Fest zu erwarten gewesen. Die Kulturwerkstatt aber beschränkte sich auf ihr eigentliches Geschäft und legte für die Jubiläums-Saison 07/08 lieber einen üppigen Spielplan vor, der mit Brechts 'Dreigroschenoper' begann, die Kaufbeurer Theatertage im November mit der Darbietung elf verschiedener Eigenproduktionen in Beschlag nahm, fürs Frühjahr sich Cornelia Funkes 'Drachenreiter' und Aristophanes’ 'Lysistrata' vorgenommen hat und bis dahin erst einmal mit dem Musical 'Irgendwo in Europa' herauskommt.

Das Stück der beiden Ungarn Lásló Dés und István Nemes, ein Kinderschicksal in kriegerischer Zeit, hat die Kulturwerkstatt schon einmal aufgeführt, 1998 zum zehnjährigen Bestehen. Dass es nun wiederum, in einer Neuinszenierung auf den Plan gerufen wird, hat seinen Grund vor allem in der Tatsache, dass möglichst viele Kulturwerkstatt-Mitglieder (80 insgesamt) aus sämtlichen Alterstufen (von fünf bis 20 Jahren) gemeisanm auf der Bühne agieren können. Insofern ein ideales Jubiläumsstück - das vielleicht auch noch bei künftigen Anlässen seinen Dienst tun wird.

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