Verkehr
Allgäuer Johanniter geben Tipps zum Start in die Motorradsaison

Motorradfahren: Ein schönes Hobby, wenn man die Sicherheitstipps beachtet.
  • Motorradfahren: Ein schönes Hobby, wenn man die Sicherheitstipps beachtet.
  • Foto: Ralf Krauß
  • hochgeladen von Holger Mock

In den ersten frühlingshaften Tagen läuten viele Motorradfreunde die neue Motorradsaison ein. Dabei ist erhöhte Vorsicht geboten. „Die Straßen sind oft noch stark verschmutzt und der Winter hat Straßenschäden hinterlassen“, warnt Ralph Krauß, der Leiter der Johanniter-Motorradstaffel im Allgäu. „Zudem ist der Asphalt noch kalt und weniger griffig. Dadurch ist die Sturzgefahr sehr hoch.“ Der Experte weist besonders auf mögliche Gefahren beim Überholen von Traktoren hin, die jetzt ebenfalls wieder häufiger unterwegs sind. „Wenn diese beispielsweise in Feldwege abbiegen, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen.“ Erst Anfang März kam ein 35-Jähriger Motorradfahrer bei einem solchen Unfall in Oberthingau ums Leben.

„Mehr als die Hälfte aller Motorradunfälle werden von Autofahrern verursacht“, sagt Ralph Krauß. „Diese müssen sich nach den Wintermonaten erst wieder an die leicht zu übersehenden Motorräder gewöhnen.“

Tipps für Autofahrer

Seine Tipps an die PKW-Lenker: „Ein Blick über die Schulter beim Spurwechsel kann viele Unfälle vermeiden. Ganz wichtig ist auch, dass Autofahrer vor dem Abbiegen oder beim Spurwechsel rechtzeitig blinken und besonders vor dem Wenden, Ausscheren und Abbiegen auf überholende Motorräder achten. Für Motorrad- wie Autofahrer gilt: Auf kurvigen Straßen unbedingt auf der eigenen Spur bleiben.“

Wie sichert man eine Unfallstelle richtig ab?

Wenn es trotz aller Vorsicht gekracht hat, muss ein Ersthelfer zunächst die Unfallstelle absichern. Das heißt: Wenn möglich, Warnblinkanlage einschalten und Fahrzeuge am Fahrbahnrand abstellen. Warnweste anlegen. Warndreieck in ausreichendem Abstand abstellen (innerorts: mind. 50 Meter Abstand zur Unfallstelle, auf Landstraßen: 100 m, auf Autobahnen: 150 m). Notruf 112 wählen. Erste Hilfe leisten.

Helm abnehmen, ja oder nein?

Wenn der verunglückte Motorradfahrer ansprechbar ist, aber über Schmerzen im Halswirbelbereich klagt oder sich nicht bewegen kann, ist es ratsam den Verletzten so wenig wie möglich zu bewegen (lieber die Unfallstelle großzügig absichern, als den Verletzten von der Fahrbahn zu ziehen) und nach Durchführen der Erste-Hilfe-Maßnahmen auf den Rettungsdienst zu warten.

Bei bewusstlosen Motorradfahrern gilt immer: Der Helm muss abgenommen werden. „Nur so kann gewährleistet werden, dass der Verletzte nicht an Erbrochenem oder seinem eigenen Blut erstickt“, erklärt Ralph Krauß. „Zudem ist es nur so möglich, die Atmung zu kontrollieren oder notfalls, bei aussetzender Atmung, den Betroffenen wiederzubeleben.“

So funktioniert die Helmabnahme

Ralph Krauß erklärt das richtige Vorgehen bei der Helmabnahme: „Öffnen Sie das Visier und entfernen Sie Halstücher, die sich leicht entfernen lassen, sowie, falls vorhanden, Brille, Wangenpolster im Helm und dergleichen. Öffnen Sie dann den Helmverschluss am Kinn. Bei einem Klapphelm einfach die Kinnpartie nach oben klappen. Meistens sind die Punkte, an denen sich etwas öffnen oder herausnehmen lässt, rot oder gelb markiert. Daher gilt: Alles, was bunt ist, zum Helmöffnen benutzen! Sorgen Sie dafür, dass der Helm so aufliegt, dass die Halswirbelsäule des Verletzten gerade liegt. Versuchen Sie dann, den Helm so schonend wie möglich abzuziehen. Wenn Sie zu zweit sind, kniet sich einer der Helfer ans Kopfende, spreizt den Helm so weit wie möglich vom Kopf ab und zieht ihn vorsichtig so weit in seine Richtung, bis der zweite Helfer den Hinterkopf des Verletzten mit den Händen stützen und dadurch stabilisieren sowie den Kopf ablegen kann. Atmet der Betroffene, dreht man ihn in die stabile Seitenlage. Atmet er nicht, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (immer im Wechsel 30x drücken, 2x beatmen) begonnen werden.“

Ein Video der Johanniter auf Youtube erklärt die Helmabnahme sehr anschaulich:

Typische Verletzungen bei Motorradunfällen

Typische Verletzungen bei Motorradunfällen sind Knochenbrüche, schwere Hautabschürfungen oder Nervenverletzungen, die zu Lähmungen führen können. Deswegen sollte jeder Motorradfahrer in jedem Fall geeignete Schutzkleidung tragen. „Eine normale Jeans bietet bei einem Unfall nicht mehr Schutz als die nackte Haut. Wichtig ist, dass die Schutzkleidung richtig und fest sitzt. Das Schuhwerk sollte auch die Knöchel schützen.“, so der Experte der Johanniter. „Wer so handelt, rettet unter Umständen sein eigenes Leben.“

Die Johanniter empfehlen eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse.

Die Tipps im Überblick

Für Motorradfahrer:

  • gewissenhafte Funktionsprüfung des Motorrads (z.B. Reifenluftdruck) zum Saisonstart
  • nie ohne komplette Schutzkleidung (auch für den Sozius) auf die Straße
  • kühlen Asphalt und dadurch verminderte Griffigkeit bei Kurvenfahrten bedenken
  • besonders auf Fahrbahnverschmutzung und Straßenschäden achten
  • besonderes Augenmerk beim Überholen von Traktoren
  • auf kurvigen Strecken in der eigenen Spur bleiben
  • Erste-Hilfe-Kenntnisse durch einen Kurs auffrischen und üben

Für Autofahrer:

  • Schulterblick vor dem Spurwechsel
  • vor dem Abbiegen und beim Spurwechsel frühzeitig blinken
  • lieber zweimal schauen: Motorräder sind schmal und werden oft übersehen
  • besonders vor dem Wenden, Ausscheren und Abbiegen auf überholende Motorräder achten
  • auf kurvigen Strecken in der eigenen Spur bleiben
  • Erste-Hilfe-Kenntnisse durch einen Kurs auffrischen und üben
Autor:

Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.

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