Kaufbeuren
Sekundentod ereilt diesmal den SC Riessersee

So schnell kanns gehen! Hatten die Kaufbeurer Buron Joker vor Wochenfrist noch fünf Sekunden vor Schluß gegen Spitzenreiter EHC München den Ausgleich kassiert, so schlugen sie gegen den SC Riessersee am heutigen Abend diesmal nur sieben Sekunden vor dem Ende gnadenlos bei doppelter Überzahl zum 4:3 Siegtreffer in Person von Torjäger Mike Wehrstedt zu. Die aufregende Schlußphase entschädigte die nur 1.812 Zuschauer für eine über weite Strecken farblose Partie beider Mannschaften, die immer wieder haarsträubende Fehler in der eigenen Defensive produzierten und so den Gegner zum Toreschießen einluden.

Auf Seiten der Joker fiel natürlich allen ein Stein vom Herzen, datiert der letzte Jokersieg mit voller Punktezahl doch noch aus dem vergangenen Jahr, als am zweiten Weihnachtsfeiertag bei Schlußlicht Freiburger Wölfe gewonnen wurde.

Doch das Spiel begann alles andere als gut für die Hausherren. Nachdem Ken Latta auf den verletzten Rob McFeeters sowie erneut auf Florian Bindl verzichten mußte, ersetzten Marc Stotz sowie Maximilian Schäffler die beiden Stammspieler.

Für die erste Schrecksekunde sorgte ausgerechnet Thomas Tragust, als bei eigener Überzahl ein ungenauer Paß beim Gegner landete und dies beinahe nach hinten losgegangen wäre.

Weniger später bremste die Ungenauigkeit von Go Tanaka einen aussichtsreichen Konter der Gastgeber. Allgemein waren die Gäste im ersten Drittel zielstrebiger und konzentrierter. Die Joker leisteten sich einige Fehler, die die Garmischer immer wieder zu Torchancen einluden. So tauchte plötzlich Andrew McPherson allein vor dem Kaufbeurer Kasten auf.

Doch Italiens Nationalgoalie im Dress der Joker bewahrte seine Mannschaft mit einer tollen Parade vor einem Rückstand. Im Gegenzug war Mike Wehrstedt bei einem blitzartigen Konter zu eigensinnig und übersah den mitgelaufenen Petr Sikora.

Doch wenig später war der nicht unverdiente Führungstreffer für die Gäste schließlich gefallen, als Torschütze Marcus Sommerfeld zu viel Platz gelassen wurde.

Nur 36 Sekunden später klingelte es erneut im Kaufbeurer Kasten. Brad Self stand nach einem Bullygewinn zuerst mit dem Rücken zum Tor, drehte sich blitzschnell und versenkte ins linke untere Eck.

Die Gastgeber wirkten nun konfus und hätten beinahe den dritten Treffer geschluckt, als Marc Stotz den Puck gerade noch von der Linie kratzen konnte.

Bei Chancen durch Go Tanaka und Daniel Oppolzer hätte wieder etwas stabilisierten Jokern durchaus der wichtige Anschlußtreffer gelingen können. Den besorgte schließlich Dominic Krabbat in Überzahl, als er von Daniel Oppolzer glänzend in Szene gesetzt wurde.

Zum zweiten Drittel hatte Ken Latta seine Reihen wirkungsvoll umgestellt. Und dies sollte sich auszahlen! Nach einem unnachahmlichen Paß von Petr Sikora versenkte Torjäger die Scheibe zum vielumjubelten Ausgleich nach etwa 23 Minuten.

Doch die Gäste steckten nicht auf und hätten ihrerseits kurze Zeit später erneut in Führung gehen können. Als Nicolas Dumoulin aus der neutralen Zone abzog und Thomas Tragust überraschte, knallte die Hartgummischeibe ans Lattenkreuz. Doch in der Folge drängten die Joker auf den Führungstreffer, den Gästecoach Maurizio Mansi mit einer Auszeit zu verhindern versuchte.

Doch alles half nichts, denn nur 41 Sekunden nach der Auszeit schnappte sich Go Tanaka im Riesserseer Drittel die Scheibe und nahm sein ganzes Herz in einen Schlagschuß, der hinter Mark McArthur im Kasten zum Führungstreffer einschlug.

Kurz vor Drittelende hätten die Joker die Vorentscheidung erzwingen müssen. Nach einem tollen Paß von Jordan Webb scheiterte allerdings Dominic Krabbat am Torhüter des SC Riessersee.

Das Spiel plätscherte im letzten Abschnitt so dahin, bis eine Chance von Go Tanaka die Zuschauer erstmals von den Sitzen riß, denn Brad Self im Trikot des SCR konnte die Scheibe gerade noch so von der Linie kratzen.

Leider fiel im Gegenzug der zu diesem Zeitpunkt unverdiente Ausgleich für die Gäste, als Garrett Bembridge einen Schlagschuß von Dumoulin unhaltbar abfälschte.

Zu allem Überfluß kassierte Jakub Körner gut acht Minuten vor Schluß eine mehr als unglückliche Spieldauerdisziplinarstrafe. Als Ken Latta schon schlimmstes befürchtete, riß sich seine Mannschaft am Riemen und rettete, auch begünstigt durch eine dumme Strafzeit der Gäste, dieses lange Unterzahlspiel über die Zeit.

Schiedsrichter Györgiycze fällte wohl eine Konzessionsentscheidung, als er für ein zwar spektakuläres, aber dennoch harmloseres Foul von Kevin Kapstadt auf das gleich Maß wie bei Körner entschied.

Zu allem Überfluß für die Gäste ließ sich Joser Frank nur Sekunden später zu einem überflüssigen weiteren Foul hinreißen. So hatten die Joker die letzten 80 Sekunden mit zwei Mann mehr die hervorragende Möglichkeit, nicht nur den Gegner, sondern auch das Trauma von letzter Woche zu besiegen.

Ein Hollywoodregisseur hätte das Drehbuch nicht besser schreiben könne, da nur sieben Sekunden vor Schluß schließlich Torjäger Mike Wehrstedt ein insgesamt nicht tolles Überzahlspiel zum vielumjubelten Siegtreffer abschloss.

Doch danach kräht am nächsten Tag kein Hahn mehr. Mannschaft und Zuschauer feierten den Sieg ausgiebig, mußten sie doch lange darauf warten.

In der anschließenden Pressekonferenz konstatierte Maurizio Mansi seiner Mannschaft einen guten Beginn mit viel Speed. Allerdings hätte sein Team zu viele Kontersituationen zugelassen. Im zweiten Drittel bemerkte er einen immer besser werdenden Gastgeber. Auf den Schiedsrichter war er nicht gut zu sprechen, dennoch kritisierte er auch seine Mannschaft für die ungeduldige Spielweise in Überzahl.

Ken Latta analysierte das Spiel ähnlich wie sein Gegenüber. Sein Team habe Moral und Charakter gezeigt. Der Knackpunkt war für ihn die große Strafe gegen Körner, die von seiner Mannschaft erfolgreich überstanden wurde. Schmunzelnd fügte er hinzu, dass sein Team im Vergleich zur letzten Woche dazugelernt hätte.

Nach Rückfrage bezifferte Mannschaftsarzt Dr. Huyer den voraussichtlichen Ausfall von Rob McFeeters auf etwa zwei Wochen. Und auch das Geheimnis um Mister X wurde gelüftet. Manager Klaus Habermann verkündete ab kommenden Freitag die Verpflichtung von Daniel Menge, der bereits über viel Erfahrung in höherklassigen Ligen verfügt und bisher bei den Tölzer Löwen in der Oberliga agierte.

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