München / Kaufbeuren
Zwischen Luxus-Limousine und Landesbank

14 Jahre lang hat Franz Pschierer als Abgeordneter im Stimmkreis Kaufbeuren daran gearbeitet, dass er eines Tages ins Kabinett berufen wird. Vor gut einem Jahr - im Oktober 2008 - zahlte sich dieser Fleiß endlich aus. Ministerpräsident Horst Seehofer holte den Unterallgäuer auf die Regierungsbank - als Staatssekretär im mächtigen Finanzministerium.

Traumhaft erscheint diese Aufgabe auf den ersten Blick. Der 53-Jährige residiert im ersten Stock des Palais Leuchtenberg mit Blick auf den Münchener Odeonsplatz. In seiner Arbeit unterstützt ihn ein Stab von Mitarbeitern, vor der Tür wartet einer der beiden eigens für den Staatssekretär abgestellten Chauffeure im eleganten milanobeigen 7er BMW, «mein zweites Büro», sagt Pschierer. Er weiß das alles zu schätzen - er wuchs ohne großen Luxus in Bedernau, einem Dorf im Unterallgäu, auf. Und doch möchten in diesen Tagen wahrscheinlich nicht viele Menschen mit ihm tauschen. Denn die marode Bayerische Landesbank schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Finanzministerium. «Sie ist eine ganz besondere Herausforderung für dieses Haus. Wir nehmen diese Aufgabe sehr ernst», erklärt Pschierer. Sie wird auch an diesem Mittwoch das all beherrschende Thema bleiben und drückt die Stimmung des Politikers merklich.

Dabei hatte er heute einen angenehmen Start in den Tag. Sein Fahrer holt ihn in seiner Münchener Wohnung ab und bringt ihn ins Ministerium zur jährlichen Personalversammlung. Pschierer spricht dort in Vertretung von Minister Georg Fahrenschon, der sich zu diesem Zeitpunkt für die Landesbank-Kommission im Landtag wappnet. Es herrscht vorweihnachtliche Stimmung. Im Mittelpunkt steht der Dank an die Mitarbeiter.

Schlag auf Schlag

Danach geht es Schlag auf Schlag. Im Büro warten Aktenmappen und Anruflisten. Für Mittag ist ein Interview im Bayerischen Rundfunk anberaumt. Für ein Computermagazin im Hörfunk nimmt Pschierer als IT-Beauftrager Bayerns Stellung zum Informations-Technologie-Gipfel der Bundesregierung am Dienstag in Stuttgart. Pschierer konnte nicht dabei sein - er musste zur Kabinettssitzung.

Die Fragen des BR-Reporters beantwortet der «Chief Information Officer» (so sein offizieller Titel) dennoch aus dem Effeff. Das Thema liegt ihm - er möchte, dass der Bürgerservice via Internet ausgebaut wird.

Weiter gehts ins Maximilianeum. In der Landtagsgaststätte warten der Bad Wörishofener Bürgermeister Klaus Holetschek und eine Delegation aus der russischen Provinz Tschuwaschien. Sie wollen vom Know-how des Unterallgäus in der Naturheilkunde profitieren. Im Gegenzug erhoffen sich heimische Firmen, in Russland ihre Produkte absetzen zu können. Pschierer, der selbst schon in Tschuwaschien war, bleibt vage - versprechen will er nichts. Die Zeit drängt noch dazu. Die CSU-Fraktion trifft sich zur wöchentlichen Sitzung. Hinter verschlossenen Türen geht es zur Sache.

Landesstiftung und Landesbank sind die beherrschenden Themen. Auf dem Flur erspäht der BR-Landtagsreporter den Staatssekretär und krallt ihn sich zum Thema Landesbank. Pschierer will nicht viel sagen. Es ist halt ein Unterschied, ob man als Abgeordneter plaudert oder als Kabinettsmitglied. Das hat Pschierer schnell gelernt und hält sich zurück. Da erfüllt er schon lieber seiner Fraktionskollegin Gudrun Brendel-Fischer den Wunsch, kurz zu ihrer Besuchergruppe aus Oberfranken im Plenum zu sprechen, bevor er wieder in die Fraktionssitzung eilt. Und die zieht sich in die Länge.

Noch packen für Berlin

Eigentlich wollte Pschierer schon um 17.30 Uhr in Mindelheim bei der Zweckverbandssitzung der Kreiskliniken sein, danach bei der CSU in Kaufbeuren vorbeischauen. Daraus wird nichts. Erst nach 20 Uhr kommt er aus München weg, muss noch packen für Berlin, wo am Donnerstag der Finanzausschuss tagt. Pschierer wäre lieber an den oberbayerischen Spitzingsee gefahren, hätte dort neue topografische Karten vorgestellt. Doch für «Wohlfühltermine» bleibt keine Zeit in diesen Tagen - die Landesbank lässt grüßen.

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