Geisenried
Zu hohes Tempo fordert mehr Tote

Doppelt so viele Tote wie im Vorjahr haben Verkehrsunfälle 2009 bisher zwischen Alpen und Donau gefordert. Hauptursache: überhöhte Geschwindigkeit, sagt Hans-Jürgen Memel, Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. «Ab Juli hatten wir neun bis 15 Tote jeden Monat», sagt er. Im ersten Halbjahr sei die Steigerung noch geringer gewesen. Insgesamt sind es bisher 80.

Jetzt setzt der Polizeichef auf Prävention. Denn «wir wollen nicht, dass Sie der Nächste sind», heißt es in einem Faltblatt, das künftig bei Geschwindigkeitskontrollen an Temposünder verteilt werden soll. Vorgestellt wurde es gestern von Memel bei einer Lasermessung an der B 12, Höhe Geisenried (Ostallgäu). In dem Flyer bittet die Polizei unter anderem, Geschwindigkeitsbegrenzungen zu beachten, den Gurt anzulegen und Zeitreserven einzuplanen.

Die meisten der Todesopfer - nämlich 16 - starben bei Unfällen im Ostallgäu. Im Unterallgäu waren es 14, im Oberallgäu zwölf, im Kreis Lindau acht.

«Wir probieren jetzt, bei den Hauptunfallursachen anzusetzen», sagt Klaus Schorm, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Kempten (zuständig für Kempten/Oberallgäu, Kreise Lindau und Ostallgäu mit Kaufbeuren).

Deshalb werde im gesamten Präsidiumsbereich unter anderem verstärkt nach Temposündern gefahndet. «Wir hatten dafür bereits 42 Mal Unterstützung von der Bereitschaftspolizei», sagt Memel. Bei den Kontrollen geht es den Beamten allerdings nicht nur darum, Raser tatsächlich aus dem Verkehr zu ziehen, sondern auch ums Gesehenwerden. «Das ist ebenfalls Prävention», sagt Polizeisprecher Markus Asbach.

Unter den ertappten Temposündern seien oft junge Autofahrer. Aber wirklich am Alter festmachen könne man es nicht, sagt er. Die Geschwindigkeitsübertretungen dagegen bewegten sich häufig zwischen 20 und 40 Stundenkilometern (km/h). Seltener seien Ausreißer wie der Fahrer, der kürzlich auf der B 19 mit Tempo 230 statt 100 unterwegs war oder einer, der mit 190 km/h über die B 12 bretterte.

Ausreden lassen die Polizisten dabei nicht gelten - auch wenn sie so manche hören. «Verdauungsprobleme werden zum Beispiel oft genannt», sagt VPI-Chef Schorm. Oder Notfälle, wie Krankheit. Besonders im Gedächtnis geblieben sind ihm die zwei Frauen, die sich angeblich nicht auskannten, weil sie aus der Provence (Frankreich) kamen. Auf die Frage, wo die denn sei, antworteten sie: «Buchenberg».

Eine Tempoüberschreitung gelten lassen die Beamten höchstens in einer tatsächlich lebensbedrohlichen Situation oder wenn eine Schwangere kurz vor der Niederkunft steht. «Zulässig aber sind Geschwindigkeitsüberschreitungen nie», betont Schorm.

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