Allgäu
«Wir packen nicht den Rasenmäher aus»

Irsee Im vergangenen Jahr ging im ehemaligen Benediktinerkloster Irsee eine Ära zu Ende. Nach rund einem Vierteljahrhundert wechselte Dr. Rainer Jehl, der Direktor der Schwabenakademie und Leiter des Schwäbischen Tagungs- und Bildungszentrums in Personalunion, in den (Un-)Ruhestand (wir berichteten). Seine Nachfolge trat der bisherige Wissenschaftliche Bildungsreferent Dr. Markwart Herzog an, dessen Stelle wiederum Dr. Sylvia Heudecker übernahm. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet das neue Führungsteam über seine Pläne und was der Rechnungshof mit dem Schwäbischen Kunstsommer zu tun hat.

Herr Herzog, bricht mit dem Ende der Ära Jehl eine neue Zeit in der Schwabenakademie an?

Herzog: Wir werden jetzt sicher nicht den Rasenmäher auspacken. Vieles hat sich bewährt, soll gepflegt, aber auch weiterentwickelt werden. Neu ist sicher die nun auch personell klare Trennung zwischen der Leitung der Schwabenakademie und der des Tagungs- und Bildungszentrums. Da haben die zuständigen Gremien des Bezirks die richtigen Entscheidungen getroffen - und die Zusammenarbeit mit Frau Heudecker hat sich bisher sehr erfreulich gestaltet. Momentan sind wir intensiv damit beschäftigt, diese neue personelle Situation auch organisatorisch in den Griff zu bekommen. Vor allem aber nimmt uns die Vorbereitung des Schwäbischen Kunstsommers im August in Beschlag.

Markwart Herzog, der 13 Jahre lang Wissenschaftlicher Bildungsreferent der Schwabenakademie war, ist jetzt Direktor, seine Nachfolgerin Sylvia Heudecker hat nun den Titel Studienleiterin. Das müssen Sie uns aber erklären.

Herzog: Im Grunde ist die geänderte Titulierung nur eine Angleichung an die anderen deutschen Akademien. Die neue Bezeichnung der Position von Frau Heudecker spiegelt allerdings auch die Entwicklung der Schwabenakademie wider. In den vergangenen Jahren haben wir erfolgreich daran gearbeitet, das Angebot der Schwabenakademie von dem der Volkshochschulen stärker zu unterscheiden und das Angebot der Volkshochschulen, zu denen die Schwabenakademie ja gehört, sinnvoll zu ergänzen. Ziel war mehr Wissenschaftlichkeit, was uns durch zahlreiche hochkarätige Seminare, Tagungen und Veranstaltungsreihen auch gelungen ist.

Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen.

Verträgt sich denn dieser Anspruch mit dem Bildungsauftrag, den die Schwabenakademie als Einrichtung des Bezirks in erster Linie zu erfüllen hat?

Herzog: Wissenschaftlichkeit bedeutet zum einen natürlich, dass wir Veranstaltungen für sehr spezielle Interessen- und Expertenkreise anbieten. Zum anderen äußert sich das aber beispielsweise auch darin, dass wir Kurse für moderne Sprachen den Volkshochschulen überlassen und hier die eher selten gewordene Pflege und Vermittlung alter Sprachen anbieten.

Gerade bei den wissenschaftlichen Tagungen ist es uns zudem wichtig, etwa durch frei zugängliche Vorträge, die interessierte Öffentlichkeit mit einzubinden - auch wenn man zuvor einem Professor vielleicht deutlich machen muss, dass er seine Inhalte allgemeinverständlich formulieren sollte.

Heudecker: Diese Brückenschläge gehören ganz klar zum Auftrag der Schwabenakademie. Hinzu kommen weitere Veranstaltungen, durch die unsere Einrichtung auch in der unmittelbaren Umgebung verwurzelt ist: Konzerte, Orgelvespern, Lesungen sollen auch weiterhin viele Menschen ins Kloster Irsee und in die Schwabenakademie bringen.

Zurück zum Schwäbischen Kunstsommer. Ist diese Veranstaltung im 23. Jahr ihres Bestehens immer noch eine so große Herausforderung?

Herzog: Wir haben das Problem, dass der Oberste Bayerische Rechnungshof entschieden hat, dass die Universität Augsburg beim Kunstsommer nicht mehr als Mitveranstalter fungieren darf. Deshalb mussten wir neue Sponsoren- und Fördermittel auftun, was uns durch den exzellenten Ruf der Veranstaltung und die tatkräftige Unterstützung des Bezirks Schwaben auch gelungen ist.

Heudecker: Zum anderen wollen wir das bewährte Konzept des Kunstsommers weiterentwickeln. In diesem Jahr gibt es beispielsweise einen Meisterkurs «Bildgeschichten: Grafisches Erzählen».

Das geht in Richtung Comic und wird wohl eher jüngere Künstler und Besucher ansprechen.

Herzog: In diesem Sinne wollen wir langfristig Dinge anpacken, die wir heute noch gar nicht für möglich halten.

www.schwabenakademie.de

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