Kempten
Wieder lebenslänglich im Mordfall Asta G.

Wegen Mordes an der 39 Jahre alten Asta G. aus Kempten hat die Zweite Strafkammer des Kemptener Landgerichts einen 30 Jahre alten Marokkaner in einem Berufungsverfahren zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Im voll besetzten Sitzungssaal in der Kemptener Residenz herrschte gestern Nachmittag große Spannung, als das Urteil verkündet wurde: Lebenslänglich wegen Mordes. Eine besondere Schwere der Schuld wurde nicht festgestellt.

Die Erste Strafkammer des Kemptener Landgerichts hatte den Mann bereits im Sommer 2008 ebenfalls wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Wegen eines Verfahrensfehlers hob der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Urteil aber auf und verwies den Fall an eine andere Kammer des Kemptener Landgerichts.

Im Zuge der Ermittlungen war ein Gespräch des in Untersuchungshaft sitzenden Mannes mit seiner Frau abgehört worden. Dieser Gesprächsinhalt wurde in dem ersten Verfahren gegen den Angeklagten verwendet.

Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs hätte die abgehörte Unterredung aber nicht in dem Prozess herangezogen werden dürfen. Das erneute Verfahren, das gestern zu Ende ging, hatte sich über insgesamt 17 Verhandlungstage hingezogen.

Leiche erst spät gefunden

Die Zweite Strafkammer kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte Marokkaner Asta G. am 17. September am Oy-Weiher bei Wildpoldsried (Oberallgäu) umgebracht hatte. Dort war die Leiche erst knapp drei Monate später gefunden worden. Laut Vorsitzendem Richter in der Urteilsverkündung war es am Tattag zunächst zu einer «erheblichen Gewalteinwirkung gegen den Hals» des Opfers gekommen, danach habe der Mann die Frau nach Einschätzung von Sachverständigen gewürgt. In dem Indizienprozess sprechen nach Ansicht des Gerichts viele Einzelheiten eindeutig für den 30-Jährigen als Mörder.

An jenem 17. September hatte sich der Marokkaner erneut mit Asta G. getroffen, die Tage zuvor bereits die Beziehung zu ihm beenden wollte. Gemeinsam sei man dann an den Weiher gefahren, wo es zu der Bluttat kam. Die Leiche versteckte der Mann in einer Senke unter Zweigen und Blättern.

Ohne erkennbare Rührung nahm der Marokkaner gestern das Urteil zur Kenntnis. Der Angeklagte in weißem Hemd und grauem Sakko las in der mehr als einstündigen Urteilsverkündung deutlich vernehmlich und unaufhörlich im Koran, während die Dolmetscherin für ihn übersetzte. Der Richter charakterisierte ihn als «intelligenten Menschen», der die deutsche Sprache verstehe. Der Mann hatte bei Asta G., einer gebürtigen Litauerin, einen Deutschkurs absolviert. Anfang 2007 hatte sich zwischen beiden ein Verhältnis entwickelt.

Der Verteidiger des Mannes hatte für seinen Mandanten Freispruch gefordert, der Staatsanwalt lebenslängliche Haft wegen Mordes.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019