Was passiert, wenn der Zeuge Angst vor dem Täter hat?

Kempten(bec). - Stellen Sie sich folgende Situation vor: Eines Nachts beobachten Sie, wie Jugendliche einen jungen Mann so zusammenschlagen, dass er Tage später noch in Lebensgefahr schwebt. Würden Sie zur Polizei gehen oder hätten Sie Angst davor, dass die Täter Ihnen etwas antun? 'Letzteres kommt seltener vor', sagt Polizeisprecher Axel Fuchs. Er hebt hervor: Staatsanwaltschaft und Polizei reagieren sehr sensibel, wenn es um mögliche Ängste von Zeugen geht. Den oben beschriebenen Fall gibt es wirklich. In Lindenberg richteten Jugendliche einen 21-Jährigen mit Tritten gegen den Kopf derart zu, dass er möglicherweise dauerhafte Schäden davon tragen wird. Zwei Jugendliche hat die Polizei mittlerweile als mutmaßliche Haupttäter verhaftet - die allerdings schwiegen sich bislang aus. Laut dem Lindenberger Polizei-Chefs stehen die Chancen, die beiden zu überführen, aber gut. Dank vieler Zeugen. Was ist aber, wenn Zeugen sich ihrerseits ausschweigen aus Angst vor den Tätern? 'Das passiert schon mal', sagt Peter Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kempten. Zu Übergriffen auf Zeugen komme es aber äußerst selten. Koch: 'Meistens handelt es sich da um Einschüchterungsversuche.' Allerdings seien derartige Fälle so selten, dass es damit bislang keine Probleme gegeben habe. 'Mir ist kein Fall bekannt, in dem es zu Übergriffen auf Zeugen gekommen ist', betont auch Fuchs. Denn: Von der Drohung bis zur Handlung ist es noch ein großer Schritt. Die Polizei nehme die Sorgen und Ängste von Zeugen dennoch ernst. 'So eine Situation ist für den Normalbürger immer besonders und der Bürger ist zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung immerhin unser wichtigster Partner.' Deshalb versuchten die Beamten, Zeugen ihre Ängste zu nehmen. 'Im Tagesgeschehen gibt es eine Bedrohung von Zeugen nicht', beruhigt Fuchs. Selbst bei der schwerwiegenden Kriminalität seien Drohungen nicht an der Tagesordnung.

'Noch nicht vorgekommen' Zeugenschutzprogramme werden laut Fuchs und Koch nur in extrem schwerwiegenden Fällen angewendet. Dann entscheide die Staatsanwaltschaft, ob der Zeuge anonym bleibt oder ob er sogar seine Identität wechseln muss. 'Bei uns ist so etwas aber noch nicht vorgekommen', sagt Fuchs und nennt noch zwei weitere Möglichkeiten, Zeugen zu schützen: Erstens könne man die Strafe verschärfen, wenn der Täter versuche, den Zeugen zu beeinflussen. 'Oder man ordnet eine Verlegung in eine andere Justizvollzugsanstalt an. Beides ist Sache der Staatsanwaltschaft.' In den meisten Fällen, betont der Polizeisprecher, seien die Bürger ohnehin kooperativ. Fuchs: 'Wir können uns nur wünschen, dass die Menschen Zivilcourage aufbringen. Und das ist im Allgäu sehr oft der Fall.'

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