Warum viele Münchner nicht ins Allgäu reisen

Kempten(mic). - Aus ganz praktischen Gründen reist der Münchner zum Beispiel lieber nach Tirol als ins Allgäu. Zu diesem Schluss kam Richard Adam, Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing Gmb H, in seinem Vortrag 'Warum fahren die Münchner nicht ins Allgäu?' beim Wirtschaftsbeirat der Union, Region Allgäu, in Kempten. Und da es im Tourismus nicht darum gehe, wer in eine Region kommt, sondern dass überhaupt jemand kommt, folgerte er: Es sei sinnvoller, weniger umkämpfte Märkte zu bewerben. Zwei große Zentren liegen vor der Allgäuer Haustüre. Während die Stuttgarter jedoch schwerpunktmäßig zum nahen Urlaub ins Allgäu kommen, zieht es den Münchner nach Oberbayern. Die Hauptursache liegt laut Adam in der Infrastruktur. Fahre ein Münchner direkt in Richtung Süden, sei er schneller und einfacher in Tirol als im Allgäu. Hinzu komme: München liegt kauftkraftmäßig in Europa ganz weit vorn. Dadurch sei kaum eine andere Stadt touristisch so umworben. Zudem beherbergt die Landeshauptstadt den achtgrößte Flughafen der Welt. 'Sie sollten sich fragen, ob sie sich auf Gedeih und Verderb messen wollen auf dem Münchner Tourismusmarkt. Meine Meinung ist: Es gibt lohnendere Dinge', empfahl Adam.

Als zukünftige Erfolgsfaktoren nannte er zunächst einmal Geschlossenheit im Außenauftritt Allgäu. 'Das Allgäu selbst ist ein Begriff. Ober, Unter, West oder Ost können Sie beim Bewerben vergessen', sagte der Tourismus-Experte. Das Problem bei diesem Marketing sei jedoch stets: Jeder habe Ideen, doch keiner wolle zahlen. Zudem sprach sich Adam dafür aus, Werbemittel dort einzusetzen, wo der größte Erfolg zu erwarten sei. Beispielsweise in den Gegenden um Würzburg, Bamberg oder Frankfurt. Sollte doch das Allgäu beworben werden, müsse man intelligent vorgehen. Ein allgemeines 'kommt zu uns ins Allgäu' habe in München keine Chance. Referent Walter Besler, Vorsitzender des Ausschusses für Tourismus des Wirtschaftsbeirates, appellierte daran, mit Tophotels wie dem Hotel Sonnenalp unter dem Begriff Wellness zu werben. Auch seien Golf, Radeln und Mountainbiken im Allgäu attraktive Marktnischen. Schwieriger sei die Situation im Vergleich zu früher geworden, da heute die Wirtschaft der Politik diktiere, ergänzte er in Hinblick auf den Ausbau der infrastrukturellen Anbindung des Allgäus. In der anschließenden Diskussion schloss sich auch Augustin Kröll, Chef der Nebelhorn- und Fellhornbahn sowie Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Schwaben, der Meinung an, dass man mit klassischer Werbung gegen den Münchner Markt nicht ankomme. 'Wir müssen auf pfiffigerem Weg den Markt erschließen. Beispielsweise könnten wir Münchner Schulen für Klassenfahrten werben', schlug er vor. Der Oberstdorfer Sport- und Tourismusdirektor Ottmar Barbian hob hervor, dass München ein Medienzentrum und damit ein Markt der Meinungsmacher sei: 'Wir dürfen München nicht vernachlässigen, denn wenn das Allgäu dort nicht stattfindet, findet es auch für die Meinungsmacher nicht statt.'

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