Allgäu
Wärme aus schnell wachsendem Holz

Auf einigen Feldern von Rudolf Frey wachsen nicht etwa Gras, Getreide oder Mais, sondern lange dünne Stängel - Reihe für Reihe. Es sind Bäume mit einer ganz besonderen Eigenschaft: Denn diese Pappeln wachsen schneller als andere Bäume. Das Ziel: Sie sollen möglichst schnell zu Brennholz verarbeitet werden. Solche Plantagen nennt man auch Energiewald (siehe Infokasten) genannt. Die unspektakulären Stangen sind so ein lukrativer Nebenerwerb für den ehemaligen Landwirt aus der Nähe von Dirlewang (Unterallgäu).

Denn der Bedarf an Holz steigt auch im Allgäu stark an. Immer mehr Hackschnitzelheizungen entstehen in der Region und auch sonst ist Holz als regenerative Energiequelle im Kommen. Pro Hektar und Jahr soll bei Frey eine Holzmenge heranwachsen, die einem Brennwert von 5000 Litern Heizöl entspricht. Das hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (Lwf) berechnet. «Damit kann man etwa drei moderne Einfamilienhäuser versorgen», sagt Franz Burger, Wissenschaftler bei der Lwf.

Weg vom Öl

Rudolf Frey hat im Jahr 2008 den sogenannten Niederwald angepflanzt mit dem Ziel energieautark zu werden. «Ich will weg vom Öl», sagt der Mann. Inzwischen sind seine Pappeln schon über zwei Meter hoch. Trotzdem muss er sich noch etwa vier bis fünf Jahre gedulden, bevor er die Holzstangen ernten und zu Brennholz verarbeiten kann.

Energiewälder werden immer beliebter, so der Eindruck der Lwf. Im Jahr 2008 waren es in Bayern 140 Hektar. Aktuellere Zahlen gebe es noch nicht. «Wir haben aber in letzter Zeit viele Anfragen zum Thema Energiewald bekommen», sagt Franz Burger. Auch im Allgäu ist dieser Trend zu spüren. Überwiegend pflanzen Privatpersonen, vor allem auch Landwirte, wie der Unterallgäuer Frey Energiewälder an. Weitere Flächen für den Anbau von Niederwäldern seien genehmigt, so das Landratsamt Unterallgäu.

Und auch in der Nähe von Marktoberdorf (Ostallgäu) soll im kommenden Frühjahr auf einer Fläche von etwa einem Hektar ein Energiewald entstehen. Initiiert wurde das Ganze von der Stadt und der Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf.

Mit dem Holz soll der heimische Markt beliefert werden, unter anderem die neue Futtertrocknung in Ruderatshofen oder die städtische Hackschnitzelheizung im Marktoberdorfer Bauhof.

Pappelsorte Max III

Doch im Allgäu werden nicht nur immer mehr Energiewälder privat angebaut, ein Unternehmen aus Buchloe (Ostallgäu) hat sich außerdem auf diese Kurzumtriebsplantagen spezialisiert. «Wald 21» nennt sich die Firma und sie hat bundesweit schon etwa 140 Hektar Energiewälder angepflanzt. «Hier in der Region wächst die Pappelsorte Max III besonders gut», weiß Marcus Brandt von «Wald 21».

Bei den derzeit hohen Erdölpreisen lohne sich so ein Energiewald nicht nur für Landwirte. Das Spektrum der Interessenten sei groß, so Burger. «Sogar eine Justizvollzugsanstalt hat bei uns angefragt.»

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