Kaufbeuren
Von der Kirche für die Kirche

Der Weihnachtsgottesdienst könnte für viele Kirchenbesucher wieder zu einem Wechselbad der Gefühle werden: Während es schön warm ums Herz ist, kriecht von unten her die Kälte unter den Mantel. Der Kaufbeurer Ingenieur Martin Sandler hat mit seinen Sitzheizungen bereits zahlreiche Kirchen ausgestattet, um dem Einhalt zu gebieten. Nun möchte er einen Schritt weiter gehen und mit den Augsburger Ulrichswerkstätten und der Peitinger Herzogsägmühle zusammenarbeiten, hinter denen die katholische und die evangelische Kirche stehen. Beide Einrichtungen beschäftigen Menschen mit Behinderungen. «So könnten die Kirchen ihre Energieprobleme selbst lösen», sagt Sandler.

Kalte Mauern saugen Wärme ab

Gotteshäuser seien fürs Heizen eigentlich nicht gebaut, meint der Inhaber der Kaufbeurer Firma EfG - Energie für Gebäude: «Die kalten Mauern saugen dem Menschen mehr Wärme ab, als er selbst ohne Bewegung produzieren kann.» Heizen die Mesner aber lange vor der Messe ordentlich ein, verpufft die Wärme meist unter dem hohen Gewölbe. So kam Sandler einst darauf, sichere Sitzheizungen mit Niederspannung zu konstruieren, die den Besucher direkt wärmen. Bereits seit 1997 verfügt die Stephanskirche in Kaufbeuren-Kemnat mit ihren 87 Sitzplätzen über eine derartige Heizung. Sandler: «Mit Zählermiete kommen wir gerade einmal auf 30 Euro Stromkosten pro Jahr.» Ein Betrag, von dem andere Kirchengemeinden nur träumen.

Ein Wunsch an den Bischof

Nun wünscht sich Sandler den Augsburger Bischof Mixa «als Mitunternehmer». Mit den Ulrichswerkstätten ist der Geschäftsmann bereits über eine Kooperation einig geworden. Die Beschäftigten dort haben schon eine Reihe von Sitzheizungen technisch bestückt, die nun Kapellenbesucher im Exerzitienhaus in Leitershofen beglücken. Besonders freut es Franz Minnerrath, Geschäftsführer der Caritas Augsburg Betriebsträger-Gesellschaft und ihrer Ulrichswerkstätten, dass die Produktionsabläufe mit Sandlers Hilfe für die Menschen mit «eingeschränkten Arbeitsfähigkeiten» angepasst werden konnten. «Wir sind sehr dankbar für diese Partnerschaft», so Minnerrath.

Für die Näharbeiten und möglicherweise weitere Leistungen möchte Sandler zudem die Herzogsägmühle gewinnen. Derzeit laufen die Verhandlungen, die bei erfolgreichem Abschluss auch die beiden konfessionell unterschiedlichen Werkstätten zusammenführen würden. «Für Kooperationen sind wir generell offen», sagt Bernd Bär von der Arbeitsvorbereitung bei der Herzogsägmühle. «Das wäre der goldene Wurf: Unter der Woche fertigen unsere Beschäftigten die Polster, auf denen sie am Sonntag in der Kirche sitzen.»

Für Sandler ist die Zusammenarbeit auch ein Weg, seinen eigenen auf Solar- und Heiztechnik sowie Solarstrom spezialisierten Betrieb schlank zu halten. Lediglich die Projektierung für die Sitzheizungen soll in seiner Hand bleiben.

Neben dem unternehmerischen und sozialen Aspekt hätte das Produkt für Sandler dann auch noch eine ganz andere Dimension: «So können wir die Kirchensitzheizung zu einem ökumenischen Projekt machen.»

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