Vitales Festival

Von Klaus-Peter Mayr Wer 20 Jahre lang ein Jazz-Festival am Leben erhält, darf gehörig feiern. Ausgerechnet im großstadtfernen Blasmusikland Allgäu haben Hansjürg Hensler, Gerold Merkle & Co vom Kleinkunstverein Klecks schier Unglaubliches vollbracht. Jahr für Jahr bringen sie mit einer klugen Mischung aus Jazz, Blues und Boogie eine Stadt zum Swingen - und locken Leute in Konzertsäle, die sonst das ganze Jahr über kaum einen Takt Jazz hören. Applaus für die Organisatoren! Zum Feiern hat sich der Klecks vor allem auf gute alte Freunde besonnen und jene eingeladen, die den Jazzfrühling ein Stück des Wegs begleitet haben und die das Publikum ins Herz geschlossen hat. Musiker wie Martin Schmitt, Engelbert Wrobel, Abi Wallenstein oder Henry Heggen. Damit wurde erneut deutlich, warum der Jazzfrühling so wachsen und gedeihen konnte - nämlich mit eingängigem Jazz vor allem älterer Bauweise, mit viel Blues, Boogie, Rhythm & Blues und auch mal bloßem Rock 'n' Roll. Mit qualitativ hochwertigen Bands und wenigen Fehlgriffen. Mit einer Mischung, die ganz unterschiedliche Menschen zum Zuhören verführt.

Und mit charismatischen Musikern, die ihre Zuhörer nicht nur mit Klängen, sondern auch mit ihrem Auftreten fesseln können. Dementsprechend gerieten auch dieses Jahr etliche Konzerte zu großen Partys. So tat der Jazzfrühling das, was man bei Jubiläen gemeinhin so macht: innealten, zurückblicken, sich zurücklehnen. Die Abteilung 'moderner Jazz' blieb damit ein wenig unterbelichtet - trotz des grandiosen Konzertes mit Abdullah Ibrahim und seinem Trio am Samstag. Experimente größeren Kalibers gab es gar nicht. Selbst die Konzerte in der Sing- und Musikschule, wo gewöhnlich die avanciertesten Formationen auftreten, war heuer Handzahmes zu hören (ein Wolfgang Lackerschmidt mit Sängerin Stefanie Schlesinger hätte genauso gut für den Kornhaussaal gebucht werden können). Da darf im kommenden Jahr ruhig wieder ein bisschen mehr Gas gegeben werden. Trotz des reiferen Alters, in dem der Jazzfrühling sich nun befindet, scheint ihm alles in allem jugendliche Vitalität nicht abhanden gekommen zu sein. Deshalb braucht man auch keine Angst um die Zukunft des Festivals zu haben. Es wird sicher noch öfter etwas zum Feiern geben.

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