Kempten
Viel Tamtam ohne Seele

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Das Wichtigste vorweg: Alle 35 Künstler der Bühnenshow «Mother Africa» haben den Auftritt in der Big Box Allgäu in Kempten unversehrt überstanden. Das war nach knapp zwei Stunden voller halsbrecherischer Überschläge, Verrenkungen und wilder Tanzerei nicht unbedingt zu erwarten.

Erleichtert klatschten die rund 1500 Besucher deshalb mit den Darstellern, als diese mit den Fahnen von acht afrikanischen Ländern in den Händen den Schluss des Spektakels einläuteten. Die nigerianische war zwar nicht darunter, dennoch fiel einem ein Satz des nigerianischen Schriftstellers Peter Eneahoros ein: «Andere Völker brauchen Stimulanzien. Wir brauchen Tranquilizer.»

Dafür lieferte die Show der Produzenten Winston Ruddle und Hubert Schober, die zum dritten Mal mit ihrem Ensemble auf Deutschland-Tournee sind, einen Beweis. Mit aberwitziger Akrobatik. Wilden Tänzen, bei denen selbst Schuhplattler vor Neid erblassen dürften. Tisch-Jonglagen. Einrad-Wirbeln. Balancekünsten in luftiger Höhe.

Oder den beiden Schlangenmenschen Lazarus und Hasani aus Kenia, gegen deren gegenseitige Umschlingungen selbst das verworrenste Wollknäuel eine klare Struktur hat. Atemberaubend, keine Frage.

Vollmundige Versprechen

Doch war es tatsächlich die «großartigste Show», wie sie dem Publikum zu Beginn vollmundig versprochen wurde? Sicher nicht. Das lag noch nicht einmal an dem ein oder anderen Patzer, wie etwa einem Stelzenläufer, der dreimal vergeblich versuchte, vom Boden liegend auf die Beine zu kommen.

Das lag vielmehr daran, dass der Show ein Leitmotiv fehlte. Ein roter Faden zwischen den rasend schnell wechselnden Szenen.

Statt dessen blieb es bei einer gehetzten Abfolge mit viel Tamtam und Trommelwirbel, die den Kontinent, seine Menschen und Geschichte jedoch seltsam eindimensional präsentierte. «Mutter Afrika» fehlte die Seele!

Praktischerweise lagen draußen im Foyer schon die Reisekataloge bereit. Sie warben für private Safaris («individuell, persönlich, intensiv») in Ugananda, Tansania oder Südafrika.

Vielleicht präsentiert «Mutter Afrika» dort ja ein vielfältigeres Gesicht.

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