Jengen
Vermisstes Kind aus Jengen in Ägypten vermutet

Über einen Monat nach dem Fund der Leiche einer 36 Jahre alten Frau aus Jengen (Ostallgäu) gibt es immer noch keine Hinweise auf den Aufenthaltsort des tatverdächtigen Vaters und der gemeinsamen fünf Jahre alten Tochter. Vieles spricht dafür, dass sich beide weiter in Ägypten aufhalten. Möglicherweise in der Stadt Kom Ombo, wo der aus Ägypten stammende 35-Jährige Verwandte hat.

Kemptener Kripo und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass der Ägypter vermutlich am 8. September oder davor seine Frau umgebracht und die Leiche in der Sickergrube des gemeinsamen Hauses versteckt hat. Gegen 10.30 Uhr an diesem Tag soll er die Tochter vom Kindergarten abgeholt haben und sich mit ihr zusammen über München nach Ägypten abgesetzt haben.

Lange hatten Verwandte und Bekannte der Getöteten geglaubt, die Familie sei in Ägypten in Urlaub. Am 17. Oktober fand die Polizei dann die Leiche der Frau. Zuvor hatte sich der Ägypter noch telefonisch bei der Mutter der Getöteten gemeldet. Er brauche Geld, weil seine Frau in einen Autounfall verwickelt sei. Letztmals rief er am 16. Oktober an. Er bat erneut um viel Geld, da seine Frau entführt worden sei. Zu diesem Zeitpunkt aber war sie längst tot.

Rückflugtickets nicht mehr gültig

«Nach derzeitigem Erkenntnisstand befindet sich der Verdächtige auf freiem Fuß», sagte Polizeisprecher Christian Owsinski gestern auf Anfrage. Die Gültigkeit der Rückflugtickets für sich und seine Tochter, die er im September gekauft hatte, lief in der Nacht zu gestern aus.

Nach Angaben der Kemptener Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungsbehörde mit Erlass des internationalen Haftbefehls «ihre rechtlichen Möglichkeiten vollständig ausgeschöpft». Das weitere Vorgehen liege jetzt in den Händen von Bundesjustizministerium und Auswärtigem Amt.

Wohl des Kindes im Vordergrund

Das Amtsgericht Kaufbeuren hat zwischenzeitlich dem Vater das Sorgerecht entzogen und dieses einem Rechtsanwalt übertragen. «Für das Jugendamt steht das Wohl des Kindes im Vordergrund», heißt es aus dem Ostallgäuer Jugendamt.

Derzeit aber würden die Interessen des Kindes ohnehin über den eingeschalteten Anwalt als Vormund wahrgenommen, erläutert Landratsamts-Pressesprecherin Susanne Kettemer. Anders wäre dies, wenn das Kind wieder nach Deutschland komme und der Hilfe bedürfe. Dann wäre die Behörde erneut gefordert.

Das Ostallgäuer Jugendamt hatte als zuständige Behörde den Entzug des Sorgerechts beantragt.

Kein Auslieferungsabkommen

Sollte der Tatverdächtige von den Behörden in Ägypten festgenommen werden, heißt das noch lange nicht, dass er nach Deutschland überführt wird und sich hier vor einem Gericht verantworten muss. Denn mit Ägypten gibt es kein Auslieferungsabkommen.

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