Unter die Haut und mitten ins Herz

Von unserem Mitarbeiter Michael Dumler, Kempten - Fein, sehr fein. Es gibt Konzertabende, da passt einfach alles, da fühlt man sich als Zuhörer rundherum wohl. Am Mittwochabend bei 'Good old friends, Part 3 - Hommage a; Django Reinhardt' im bestens gefüllten Kornhaus in Kempten gab es wieder so ein Erlebnis der besonderen Art. Drei, jede auf ihre Weise faszinierende Bands boten vier Stunden lang Jazz vom Feinsten. Gewidmet war der letzte 'Good old friends'-Teil dem legendären belgischen Jazz-Gitarristen Django Reinhardt (1910 bis 1953). Im Alter von 18 Jahren waren nach einem Brand zwei Finger seiner Griffhand funktionsunfähig. Doch ein Genie lässt sich nicht so schnell aus der Bahn werfen. Reinhardt entwickelte eine eigene Grifftechnik und wurde für viele Jazz-Gitarristen zum Vorbild. Häns'che Weiss ist einer davon. Freilich hat er längst seinen eigenen Stil gefunden. Atemberaubende Soli wechseln sich mit geschmeidigen Swing-Akkorden ab. Im Schweizer Vali Mayer besitzt er einen kongenialen Partner, der nicht nur ein begnadeter Kontrabassist ist. Als Kehlkopf-Akrobat klingt er mitunter wie ein ganzes Percussion-Orchester.

In dieser Ehe knistert's noch Die beiden Virtuosen verstehen sich blind, sprudeln - trotz 24-jähriger Musiker-Ehe - immer noch vor Spielfreude und musikalischem Witz. Vielleicht wäre die Wirkung ihrer Musik in einem intimeren Rahmen intensiver ausgefallen. Doch auch so ging sie unter die Haut. Die Gruppe 'Cordes Sauvages' ist ebenfalls von der Musik Reinhardts beeinflusst. Mit einem soliden Rhythmus-Trio im Rücken (Scotty Gottwald am Mini-Schlagzeug, Ferry Baierl an der Rhythmus-Gitarre und Wolfgang Kriener am Kontrabass) gelingen Helmut Nieberle (Gitarre), Stephan Holstein (Klarinette) und Martin Weiss (Geige) traumwandlerische harmonische Höhenflüge. Die drei doch so unterschiedlichen Instrumente umgarnen sich (so in 'Martin's Benz' oder 'Just friends') mit einer bemerkenswerten Eleganz und Leichtigkeit. Nicht spektakulär, aber Musik fürs Herz. Und dann kommt er, der Zauberer an der Jazz-Gitarre: Philip Catherine. Wenn der 61-jährige Belgier spielt, möchte man, dass er nie mehr aufhört. 'Meine Musik hat zwei Seiten: sie ist melodisch und jazzig', hatte er einmal im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt. Tatsächlich verzückt er auf verschiedene Weise. Catherines Gespür für lyrische, atmosphärische Momente ist genauso ergreifend wie das für eruptive, energiegeladene Grooves. Und immer sorgt der Swing für eine Versöhnung der Extreme. Philippe Aerts (Kontrabass) und Rick Hollander (Schlagzeug) sind ganz auf der Wellenlänge dieses Gitarren-Magiers. Und am Ende - bei der Zugabe - auch Geiger Martin Weiss. Mit einem Wort: Wunderbar.

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