Und dann macht es bumm!

Von Peter Schwarz | Oberstdorf/München Die Sprengung des zwölfstöckigen Agfa-Hochhauses (52 Meter hoch) am Sonntag in München nahe des Mittleren Ringes ist der spektakuläre Höhepunkt einer Industriebrachen-Sanierung. Dieses Ereignis lockt daher auch die Medien an. Doch für die Oberstdorfer Geiger-Gruppe als Generalunternehmer ist der kontrollierte Kollaps des Betonkolosses erst der Anfang vom ergatterten Millionenauftrag. Bis 2010 hat man an der Tegernseer Landstraße alles dem Erdboden gleich zu machen, was auf dem 12 Hektar großen Kamerahersteller-Areal dem geplanten Wohn- und Gewerbepark entgegensteht.

Nerven gespannt

Der Projektverantwortliche Wolfgang Fuchs, der beim Bauunternehmen Geiger die Umwelttechnik-Sparte führt und in Sonthofen sitzt, hat sich den renommierten Sprengmeister Eduard Reisch aus Andechs zur Seite geholt. Steht doch am Sonntag eine der größten Sprengungen in der Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt an. Auch wenn Reisch schon seit 20 Jahren im Dynamit-Geschäft arbeitet und vom Wasserturm bis zum Getreidespeicher, von der Autobahnbrücke bis zum Stahlbetonkamin im Kernkraftwerk so ziemlich alles in Schutt und Asche gelegt hat, was überflüssig wurde, sind seine Nerven vor dem Tag X zum Zerreißen gespannt.

Denn das seit Oktober nach und nach auch von Fassadenkletterern sämtlicher Fenster, Türen, Kabelschächte, Zwischenwände und Fassadenverkleidungen beraubte und damit für die 'Operation' vorbereitete 52 Meter hohe Haus muss in die Gegenrichtung der gesperrten Verkehrsschlagader fallen. In sich gedreht soll der Riese nach einer knapp zwei Sekunden währenden Abfolge von Zündungen in eine vorbereitete Bodenwanne plumpsen.

'Das ist schon eine große Herausforderung, aber sprengtechnisch machbar', beschreibt Reisch sein Zerstörungswerk. Gleich drei Sprengsachverständige hatten akribisch die Statik des Betonblocks berechnet und die Sollbruchstellen ausgekundschaftet, wo die Explosionsgewalt wirken soll. Dennoch müssen die Anwohner des einstigen Industrie-Geländes ihre Häuser räumen. 200 Polizisten, Feuerwehrmänner und Rettungsdienstler sind für die Evakuierungs eingesetzt.

1,5 Millionen Tonnen Material

'Ich kann noch ruhig schlafen', zeigt sich Projekt-Chef Fuchs gelassen. Zu seinen Logistik-Aufgaben gehörte in den letzten Wochen nicht nur der Hochhaus-Rückbau und der Abriss mehrerer Nebengebäude. Sondern er muss auch organisieren, wie die vom Sprengmeister hinterlassene Trümmerlandschaft mit all ihren Schadstoffen umweltgerecht sortiert und entsorgt wird, was noch verwertet werden kann, wie der Bodenaustausch erfolgt. 1,5 Millionen Tonnen Material werden bis zum Abschluss der Arbeiten zu bewegen sein. Allein bis zum Spreng-Spektakel hat es bereits 27 000 Abfuhren mit Sattelschleppern gegeben.

Es macht Krach, es macht bumm - und wenige Sekunden danach bleibt von einem gesprengten Hochhaus nur noch ein Haufen Schutt. Wie so etwas abläuft ist zu sehen unter

www.all-in.de/dynamit

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