Allgäu
Übernachten im Hotel wird wohl nicht billiger

Allgäu «Die Campingplätze sind die Gewinner der Saison»: Karina Gruhler-Hirsch, die in der Industrie- und Handelkammer (IHK) Schwaben die Branchen Tourismus und Freizeitwirtschaft betreut, sieht nicht nur Verlierer in der Krise. Die Leute sparen zwar, verzichten jedoch nicht auf den Urlaub. Entweder machen sie günstig im Zelt und Caravan Ferien oder buchen ein Hotelzimmer - aber für immer kürzere Zeit. Ende der Sommersaison lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste im Allgäu noch bei 4,3 Tagen.

Wenn das Geld den Touristen wegen der Krise also nicht mehr so locker sitzt, dann müssten Hotels und Pensionen halt runter mit den Preisen - zumal sie auch noch ab 1. Januar Aussicht auf eine reduzierte Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent haben? «Nein», sagt da Jochen Deiring, Geschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes im Bezirk Schwaben. «Leider steht immer die Preissenkung für den Gast im Vordergrund der Diskussion.» Dabei sei es viel wichtiger, in die Renovierung der Häuser zu investieren. Ins gleiche Horn stößt Alfons Zeller, Vorsitzender des Tourismus-Verbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben: «Viele haben noch Eiche rustikal.» Da gebe es in der Hotellerie einen großen Nachholbedarf an Investitionen.

«Längst fällige Korrektur»

Wenn also die Reduzierung der Umsatzsteuer für die Hotellerie kommt - wie sie im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung steht - dann sei dies «die längst fällige Korrektur einer Wettbewerbsverzerrung in der Gastronomie gegenüber dem benachbarten Ausland, in dem deutlich niedrigere Mehrwertsteuersätze gelten», so Deiring.

Auch Cora Bethke-Frank vom Parkhotel Frank in Oberstdorf (Oberallgäu) meint, der Preis für die Übernachtung könne nicht runtergehen. Man müsse viel mehr eine bessere Qualität zum gleichen Preis anbieten, also überfällige Investitionen tätigen und neue Mitarbeiter vor allem im Service einstellen.

Deiring ist froh, dass die IHK Schwaben als einzige in ganz Deutschland in der Frage der Mehrwertsteuersenkung auf Seiten des Hotel- und Gaststättenverbandes steht. Denn Kritik an den Plänen der Regierung kommt derzeit nicht nur vom Dachverband der IHKs, sonder auch von anderen Touristik-Unternehmen, die auch weiterhin 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen müssen: Reiseagenturen, Busunternehmer, Kongress-Agenturen, Gastwirten und so weiter, die von «einseitiger Steuersenkung für eine Einzellobby» sprechen. Davon könne jedoch keine Rede sein, betont Deiring: «Unser Thema war immer die Wettbewerbsverzerrung gegenüber dem Ausland». Wenn zum Beispiel ein Hotelier mit 100 Betten in Österreich pro Jahr 90000 Euro Steuern weniger zahle als sein Kollege in Deutschland, dann stimme einfach die Relation nicht.

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