Irsee
Trinktagebuch gegen den Suff

Heute drei Halbe Bier zum Schafkopfen, dann wieder vier Bier im Eishockeystadion, daheim eine Flasche Wein zum Essen mit dem Partner getrunken und auf dem Faschingsballkeine Ahnung mehr so recht, wie viel da eigentlich durch die Kehle rann. Da läppert sich schnell einiges zusammen. Also ab jetzt abstinent leben? Sicher aus gesundheitlicher Sicht der beste Weg. Doch für Professor Joachim Körkel aus Nürnberg gibt es auch noch einen zweitbesten Weg, der in der Medizin immer mehr Anerkennung findet. Das war ein Thema bei der 11. Suchtfachtagung für Pflegekräfte im Bildungszentrum Kloster Irsee vor rund 200 Teilnehmern aus dem deutschsprachigen Raum.

«Kontrolliertes Trinken» heißt das Zauberwort. «Damit kann man eher die Menschen erreichen als mit dem Ziel völliger Abstinenz.» Und wie Langzeitstudien inzwischen belegen: Die Trinkmenge kann teils ordentlich reduziert werden.

Ernüchternd sind die Angaben Körkels zu tolerierbaren Trinkmengen. Eine sogenannte Standardeinheit ist beim Mann pro Tag gestattet, eine halbe Einheit bei einer Frau. Was ist nun eine solche Einheit? Eine Halbe Bier oder 0,2 Liter Wein/Sekt oder drei kleine Schnäpse (2 cl, 40 Prozent Alkohol). Nur ein Bier am Tag als Mann also - gerade in Bayern kaum vorstellbar.

Krebsrisiko

«Natürlich trinken viele Menschen viel mehr», weiß der Experte. Wer aber wesentlich mehr trinkt, kann nach Jahren, Jahrzehnten die Rechnung präsentiert kriegen - zum Beispiel Leberzirrhose, Krebs (Mund, Magen, Speiseröhre), Nervenschädigungen. Vor Jahren waren noch höhere Trinkmengen erlaubt, etwa drei Halbe pro Tag für den Mann. Doch diese Mengen werden inzwischen als zu hoch angesehen.

«Es ist schon ein Erfolg, wenn jemand zum Beispiel seinen Konsum von 35 Einheiten pro Woche auf 20 reduzieren kann», berichtet Körkel weiter. Sein Tipp: Ein Trinktagebuch führen, schon am Anfang der Woche eine Höchstgesamtmenge an Einheiten festlegen und auf die Tage verteilen. Wer täglich trinkt, sollte schon mal zumindest einen abstinenten Tag pro Woche einplanen. Und dann den Konsum immer weiter reduzieren.

Klare Trinkzeiten mit sich vereinbaren (etwa: «kein Schluck vor 20 Uhr»). Vor und nach jeder Einheit ein großes nichtalkoholisches Getränk konsumieren ist ebenfalls hilfreich. Jeder könne so etwas für sich tun. Schwere Fälle würden dagegen in besonderen Einrichtungen Hilfe bekommen. Frühere Dogmen, wonach ein Trinker niemals kontrolliert trinken könne, seien heute aber einfach nicht mehr durchwegs haltbar, so Körkel.

www.kontrolliertes-trinken.de

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