Sonthofen
Trainer fehlen die Worte

Manchmal wirkt Schweigen mehr als wütende Worte. So geschehen bei der 2:3 (18:25, 25:18, 12:25, 25:23, 9:15)-Niederlage der Sonthofer Bundesliga-Volleyballerinnen gegen den Köpenicker SC. Mit völliger Teilnahmslosigkeit quittierte Trainer Andreas Wilhelm (40) die katastrophale Leistung, die sein Team im dritten Satz geboten hatte. Prompt gewann sein Team vor 600 Zuschauern den vierten Durchgang. Die Spielerinnen hatten sich die «Schweigeminuten» zu Herzen genommen: «Wir haben alle mitbekommen, dass etwas nicht stimmt mit dem Trainer. Das hat uns aufgerüttelt», sagte Mittelblockerin Carina Steckenleiter (23). Einzig: Mehr als ein Aufbäumen war nicht drin. Sonthofen war im entscheidenden fünften Satz chancenlos. Der Tabellenvorletzte kassierte die sechste Niederlage in Folge.

Die von der erst 17-jährigen Zuspielerin Ann-Marie Knauf dirigierten Köpenicker profitierten im fünften Satz einmal mehr von ihrer Wunderwaffe: dem Aufschlag. Kaum eine Sonthofer Annahme kam präzise ans Netz. Libero Dolores Köber (23) war mit Trainingsrückstand ins Spiel gegangen - und erwischte einen schwarzen Tag. Gegen Ende des Spiels wurde sie von ihren Mitspielerinnen in der Annahme sogar abgeschirmt.

Dennoch musste sich Zuspielerin Sabrina Dölle (22) teils gewaltig verrenken, um ihre Angreiferinnen überhaupt bedienen zu können. «An schnelle Pässe über die Mitte oder Kombinationen war kaum zu denken», beklagte Carina Steckenleiter die Berechenbarkeit der Sonthofer Angriffe. Variabler präsentierten sich da die Gäste: «Wir haben im letzten Satz konzentriert gespielt», lobte Trainer Jürgen Treppner.

Andreas Wilhelm war dagegen ratlos. Vor allem die Geschehnisse im dritten Satz machten ihm zu schaffen. Nachdem er zwei neue Spielerinnen eingewechselt hatte, herrschte auf dem Feld derartige Verwirrung, dass man sich an eine Schülermannschaft erinnert fühlte. Zunächst tobte Wilhelm («Wisst ihr denn nicht mal mehr, wo ihr stehen müsst?»). Wenig später verfiel er in Apathie. «Wenn man auf 180 ist, muss man einen Gang zurückschalten. Das war Selbstschutz», erklärte Wilhelm seine persönliche Auszeit später. Der «immense Druck» (Wilhelm) macht offenbar nicht nur dem Team zu schaffen, sondern auch dem früheren Bundesliga-Spieler. Zumal sein Team am Samstag (19.30 Uhr) beim Tabellenzweiten VfB Suhl ran muss.

Wilhelm genießt Vertrauen

Trotz der Niederlagen: Am Trainer wird nicht gerüttelt. «Das ist außerhalb jeglicher Diskussion», meinte Manager Hubert Graf. Statt dessen registrierte er mit Erleichterung, dass Wilhelm nach dem Spiel wieder kämpferische Worte fand: «Wir müssen uns aus diesem Loch befreien», kündigte er harte Arbeit im Training an.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019