The Hotten Totten: Schon mal gehört?

Keine Angst, Sie haben nichts verpasst. The 'Hotten Totten' muss man nicht kennen. Die sind noch nicht im Programm des Kemptener Jazzfrühlings. Die sind in überhaupt keinem Programm. 'The Hotten Totten' sind so neu, dass sie noch nicht mal aufgetreten sind. Sozusagen eine völlig aktuelle, aufregende Band. 'The Hotten Totten', das ist die Band von Klaus. Klaus? Nie gehört? Vielleicht so: Wenn Sie ganz tief in Ihren Ganglien kramen, finden Sie jene Info, die zu Klaus gehört. Klaus war doch der vom letzten Jahr. Der mit der kubanischen Folkloretruppe. Genau, der nach Lindau durchgebrannt ist. Jetzt kommt's, gell! Was soll ich Ihnen sagen, den haben wir - mein Schwager Reinhold und ich - getroffen. Beim Jazzfrühling, wo sonst. Also Reinhold sagt noch: 'Schau dir den mal an, das ist vielleicht eine Type'. Und, glauben Sie's oder nicht, es war Klaus. Ich hätte ihn fast nicht wiedererkannt. Sonnenbrille und Rasta-Locken. Und diesen Musiker-Gang, tief in den Knien und lockerer Armschwung. Ich sag: 'Klaus bist du das?' Und er: 'Hey, Ali-Baby!'.

Er hat tatsächlich Ali-Baby gesagt. Ich sag: 'Klaus, das ist ja schön, dich zu treffen. Ist Susanne auch da?' Susanne ist seine gute Frau, die er auf Händen trägt. Er hat aber bloß die Rasta-Locken geschüttelt: 'Nee du, Suusän ist mit den Kids auf der Ränsch vom Grändpaa' Reinhold, Wichtigtuer-Reinhold, hat natürlich gleich gedolmetscht: 'Er hat sie aufs Land verfrachtet zum Opa'. Klaus war offensichtlich froh, dass er einen gefunden hatte, der einem bescheuerten Einheimischen wie mir alles erklärt. Jedenfalls hat er gleich den Daumen in Richtung Reinhold gehoben: 'Genau Mään!' Außerdem würden die Bräute - er hat tatsächlich 'die Bräute' gesagt - irgendwie beim Abgrooven stören. Er sei mit den Jungs da und sie wollten sich 'Inschpiräschns' holen. Die Jungs, das waren drei bleiche Langweiler, die zu große T-Shirts trugen mit der Aufschrift 'The Hotten Totten'. Wie ich den Namen fände, hat Klaus gefragt. Meine Begeisterung hat sich ehrlich gesagt in Grenzen gehalten. Reinhold hingegen war natürlich ganz weg und hat Klaus eine kleine Urne versprochen und sich überlegt, ob er eine Werbung auf die T-Shirts drucken lassen soll. Meinen Segen hat er. Klaus spielt übrigens jetzt Querflöte und musste dringend weg, weil gleich irgendwo eine 'Sässch'n' abgehen sollte. Mein Schwager Reinhold war ganz baff, was ich für dufte Leute kenne und ist sozusagen reflektorisch ganz tief in die Knie gegangen, hat mit den Armen geschlenkert und dem scheidenden Klaus ein V-Zeichen gemacht. 'Wenn er seine Arme nur gleich in Richtung Bahnhof schlenkern würde', hab ich mir unwillkürlich gedacht. Und dass ich irgendwie froh bin, wenn der Jazzfrühling dieses Jahr vorbei ist. War doch arg anstrengend. Albert Hefele

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