Kempten
Thaddäus ist der Kuhexperte

Fasziniert betrachten die 22 Erstklässler aus der Grundschule Burgberg (Oberallgäu) eine lebensgroße Plastikkuh. Geschmückt ist sie mit Fellen und echten Hörnern und steht im ersten Stock des Allgäu-Museums Kempten. Der kleine Thaddäus entpuppt sich als wahrer Experte für Kuhfragen. Sogar die Entwicklungsstadien des Allgäuer Braunviehs kann er mühelos aufzählen. «Das ist doch ganz klar. Kalb, Schump, Rind, Kuh!», erklärt der kecke Erstklässler, der als einziges Kind aus seiner Klasse noch auf einem Bauernhof zu Hause ist.

Wo machen Kühe eigentlich Urlaub? Wie schwer ist eine Viehscheidglocke? Und stimmt es, dass das Allgäu früher einmal ganz blau war? Antworten auf Fragen solcher Art gibt an diesem Vormittag die Museumspädagogin Anita Lernbecher, die in Zusammenarbeit mit dem Allgäu-Museum das Kinderprojekt «Unser Allgäu» entwickelt hat. Einen «Allgäu-Grundkurs für Kinder» nennt Lernbecher dementsprechend ihre kindgerecht aufbereitete Reise durch das Museum. «Mein Ziel ist es, den kleinen Besuchern einen spannenden und kurzweiligen Besuch zu ermöglichen, der ihnen lange in Erinnerung bleibt», sagt die Sonthofenerin.

Eine schwierige Frage wird gleich zu Beginn geklärt. «Was ist das Allgäu?», fragt Lernbecher die im Kreis versammelten Burgberger Erstklässler. Kollektives Grübeln, vereinzelte Wortmeldungen. «Vielleicht ein Land,», tippt ein blondes Mädchen. «Nö, das ist Deutschland», ist sich ein Junge sicher.

Eine große Allgäukarte trägt schließlich zur Klärung der Frage bei. Die Lehrerin Barbara Herlein zeigt den Schülern den Heimatort Burgberg und kurz darauf ist klar: Allgäu - das ist die Landschaft vor den Alpen.

Voller Begeisterung gehen die Kinder dann auf Allgäu-Entdeckungstour. Sie führt quer durch das ganze Museum, wo Anita Lernbecher unterschiedliche Stationen vorbereitet hat.

Die kleinen Museumsbesucher können unter anderem getrocknete Leinpflanzen abtasten, einen echten Flachszopf in den Händen halten und ein gewebtes Leinenkissen befühlen. Sie bestaunen eine typisch eingerichtete Bauernstube, in der sich Knecht und Magd (nachgebildete Figuren) am Tisch über ihr hartes Landleben unterhalten. Dass Mundart fast schon eine Geheimsprache sein kann, erfahren die Kinder beim spannenden Enträtseln von verschiedenen Allgäuer Dialektvarianten.

Am Ende essen die Schüler gemeinsam das einfache Allgäuer Gericht «Milch und Brocken» und spielen hingebungsvoll, mit echten Schellen geschmückt, einen traditionellen Allgäuer Viehscheid nach. «Schade, dass es schon aus ist», sagt ein Mädchen nach gut zwei Stunden Museumsbesuch. Offenbar nicht nur informativ, sondern auch ganz schön spannend, so ein Museum zum Anfassen.

Infos/Anmeldung bei den Museen der Stadt Kempten, Tel. 0831/2525-369

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