Allgäu
Stürzt der Reiter, ist selten das Pferd schuld

Mit dem November beginnt die dunkle Zeit im Jahr - auch für Reiter und Pferd. Wer sich jetzt abends noch auf einen Ausritt ins Gelände oder auf die Straße wagt, sollte an Reflektorbänder für sich und seinen Vierbeiner denken. Denn laut Straßenverkehrsordnung (StVO) sind Pferde bei Dunkelheit und Dämmerung zu beleuchten.

Überhaupt ist die richtige Ausrüstung beim Reiten das A und O. Ein Helm etwa ist ein Muss, sagt Rainer Huschek, Vorsitzender des Kreisreiterverbandes (KRV) Unterallgäu. Reitstiefel sollten ebenfalls klar sein. Sie geben mehr Halt als etwa Turnschuhe und der Reiter kann damit besser auf das Pferd einwirken. Bei Alfred Vogel, Vorsitzender des KRV Ostallgäu, sind auch Sicherheitswesten Pflicht - «schon allein, damit der Versicherungsschutz voll besteht», sagt er. Wichtig: Die Westen müssen passen, sonst seien sie bei einem Sturz eher schädlich.

Bis zu 40000 Unglücke pro Jahr

Bis zu 40000 Unfälle mit Pferden passieren bundesweit pro Jahr - davon 60 Prozent beim Reiten, 30 beim Voltigieren und zehn beim Umgang mit dem Tier, heißt es in einer Statistik der ARAG-Versicherung. Dort sind «etwa 90 Prozent aller Vereinssportler versichert», sagt David Schulz, Leiter der Auswertungsstelle für Sportunfälle in dem Konzern. Legt man die rund 750000 in Vereinen organisierten Reitsportler in Deutschland und die 7700 in Allgäuer Vereinen zugrunde, verunfallen in der Region geschätzt jährlich etwa 400 Reiter - beziehungsweise Reiterinnen unter 20 Jahren, denn sie setzen sich am häufigsten aufs Pferd. Zum Vergleich: In Tirol verunfallten 2006 etwa 600 Reiter. «Schwere Unfälle sind bei uns zum Glück aber eher selten», spricht Huschek für seinen Verband. Vogel pflichtet ihm bei: «Zumindest in den Allgäuer Reitvereinen dürften die Zahlen überall ähnlich niedrig sein.

» Allerdings darf eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer an Freizeitreitern nicht vergessen werden. Und deren Unfallrisiko ist nach Vogels Angaben höher, weil ihnen oft «eine solide, reiterliche Ausbildung fehlt. Für 60 Prozent der Unfälle sind aber Reiterfehler verantwortlich».

Mangelnde Erfahrung stuft auch ARAG-Mitarbeiter Schulz als Unfallursache Nummer eins ein. «Dazu kommen äußere Einflüsse, die das Fluchttier Pferd erschrecken», sagt er. Deshalb ist eine gute Ausbildung für den Vierbeiner genauso unerlässlich, wie für den Reiter. «Ein Pferd sollte ruhig und gelassen sein - gerade im Straßenverkehr», sagt Vogel und gibt damit wieder, was die StVO vorschreibt. Außerdem müssen Rösser laut Gesetz im Straßenverkehr von Personen begleitet werden, die ausreichend auf sie einwirken können.

Nicht hupen und langsam fahren

Um Unfälle zu vermeiden, sollten aber auch Kraftfahrer Rücksicht auf Reiter und Kutschen nehmen. Das heißt: «Langsam daran vorbeifahren und weder Lichthupe noch Autohupe betätigen», sagt KRV-Vorsitzender Huschek. Hundeführer sollten ihre Tiere - zum Beispiel durch entsprechende kurze Leinen - daran hindern, ein Pferd anzuspringen.

Für den Fall, dass der Reiter aber doch fällt, ist es gut, wenn sofort jemand Erste Hilfe leisten kann. Daher rät Huschek, beim Ausritt immer ein Handy mitzunehmen und nur mit mehreren ins Gelände zu gehen. Wer doch alleine unterwegs ist, sollte seine Route und die ungefähre Rückkehrzeit im Stall hinterlassen.

Geringeres Risiko als Ballsportler

Beim Sturz gilt für einen Reiter die Regel: Schnell weg vom Pferd, um Tritten zu entgehen und nicht unter das Tier zu geraten. Damit die Landung glimpflich und ohne Knochenbrüche ausgeht, gibt es mittlerweile Falltrainings angelehnt an das Judo. Denn Frakturen sind mit 50 Prozent die häufigsten Verletzungen bei Unfällen mit Pferden, sagt Schulz. Sie enden also meist schwerer als andere Sportunglücke. Allerdings hätten Reiter ein geringeres Verletzungsrisiko als zum Beispiel Ballsportler.

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