Studie: Hotels veraltet, zu wenig Investitionen

Von Dirk Ambrosch | Allgäu 'Das Zimmer war eine glatte Katastrophe', erinnert sich Peter Mayer (Name geändert) an die Übernachtung in dem Drei-Sterne-Haus im Ostallgäu. Das Mobiliar billig, die Dielen knarzten, das Badezimmer bestand aus einer Hartplastikschalung und der Fernseher funktionierte nicht. Zum Frühstück servierte die mürrische Bedienung zwei trockene Semmeln, dazu Marmelade aus einem Wegwerf-Döschen. Stattlich war lediglich der Preis: Knappe 70 Euro.

Laut einer Studie des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) ist dies kein Einzelfall in bayerischen Fremdenverkehrsorten. Nach einer Analyse der Situation in Bad Hindelang, Garmisch-Partenkirchen, Zwiesel und Bischofsgrün kommen die Autoren zu dem Schluss: Ungeachtet aller Besucherrekorde steht Bayerns Tourismus am Scheideweg. Die Verfasser der Studie haben erhebliche Qualitätsmängel in etlichen mittelständischen Hotels und Pensionen ausgemacht. Viele Beherbergungs-Betriebe seien veraltet, es werde zu wenig investiert. In den Betrieben fehle es an Ideen für neue Leitbilder, an Marketing-Strategien und an Eigenkapital. Die Tester verlangen eine 'Qualitätsoffensive in die Breite' sowie touristische Leuchtturm-Projekte.

Das Urteil der Studie will der Vorsitzende des Tourismus-Verbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben, Alfons Zeller, pauschal nicht gelten lassen. Zwar gebe es auch in der Region Pensionen, Gästehäuser oder Ferienwohnungen, in die seit Jahren kein Geld gesteckt wurde. 'Aber ab drei Sternen aufwärts haben die Häuser im Allgäu viel investiert', sagt Zeller. 'Da hat Oberbayern viel größere Probleme.' Im Hinblick auf die Bergbahnen könne man keinesfalls von einem Investitionsstau im Tourismus sprechen. 'Da wurde viel getan. Die Bergbahnen sind die Leuchtturm-Projekte für das Allgäu', betont Zeller. Zudem habe das Allgäu 'in Sachen Wintersport seine Hausaufgaben gemacht': Der Prozentsatz der technisch beschneiten Pistenfläche liege im Allgäu bei 30 Prozent. Damit liege die Region nur unweit hinter Österreich (38 Prozent) und noch vor der Schweiz (19 Prozent).

Ein Schock

'Geschockt über das Pauschalurteil' reagierte der Kurdirektor von Bad Hindelang, Max Hillmeier. Er räumt zwar einige 'Problembetriebe' ein, 'aber die Studie gibt nicht das Bild der Hotelerie in Bad Hindelang wieder', sagt Hillmeier, der heuer für den Zeitraum von Januar bis Oktober ein Plus von 11,5 Prozent bei den Übernachtungen vermelden kann. Sowohl Betriebe als auch Kommune haben laut Hillmeier in der Vergangenheit 'sehr viel und auch strategisch richtig investiert'. Bestes Beispiel der Offensive für 'Qualität und Quantität' sei die Ansiedlung einer Vier-Sterne-Plus-Anlage mit 300 Betten. Allein dieses Haus werde der Gemeinde jährlich einen geschätzten Umsatz von 9,5 Millionen Euro bescheren.

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