Kempten
«Ständiges Reisen ist ein Alptraum»

Die britische Band Yes zählt zu den großen Namen der Rockgeschichte. Seit 1970 wird der Stil der Gruppe durch den Gitarristen Steve Howe entscheidend geprägt. Am 4. Dezember treten die Musiker in der Big Box Allgäu in Kempten auf. Mit dabei sind Steve Howe (Gitarre), Chris Squire (Bass), Alan White (Schlagzeug), Oliver Wakeman (Keyboard, Sohn des legendären Yes-Tastenmanns Rick Wakeman) und Benoit David (Gesang). Andreas Ellinger hat sich mit dem 62-jährigen Howe über die lange Geschichte der Band und seine Arbeit als Gitarrist, aber auch über die Schattenseiten des Lebens auf Tour unterhalten.

Die Geschichte der Band Yes ist nicht nur lang, sie ist auch geprägt von vielen Umbesetzungen. Wie kam es dazu?

Howe: Nun ja, nehmen Sie es an meinem Beispiel: Ich war erst bei Yes, dann bei Asia, dann wieder bei Yes und schließlich gab es eine Zeit, in der ich bei beiden Bands mitgespielt habe. Die musikalischen Vorstellungen ändern sich und die Menschen natürlich auch.

Ist das auch der Grund, weshalb Sänger Ion Anderson nicht mehr mit dabei ist?

Howe: Einerseits hatte er gesundheitliche Probleme, andererseits wollte er unabhängig davon nicht mehr auf Tour gehen. Dies hatte zur Folge, dass Yes einige Jahre faktisch nicht existiert hat. Daher haben wir uns nach einem anderen Sänger umgesehen und ihn mit Benoit David gefunden.

Jetzt arbeiten wir auch an einem neuen Album. Es wird aber noch eine ganze Zeit lang dauern, bis es fertig ist.

Neben dem Gesang wurde der Klang von Yes durch ihr Gitarrenspiel entscheidend geprägt, das sich schwer einordnen lässt. Einflüsse der Countrymusik sind genauso zu finden wie Jazz oder Klassik. Wie kam es dazu?

Howe: Als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen, wurde ich stark von Chet Atkins beeinflusst. So wollte ich auch mal spielen können, dachte ich mir damals. Und das hieß natürlich die gleiche, große stilistische Bandbreite abzudecken. Außerdem war es meine Rebellion dagegen, dass in der Rockmusik nur die Bluesgitarre zum Einsatz kam.

Bei Asia haben Sie Ihren Stil dann etwas angepasst?

Howe: Ja, denn die Band ist je eher im Bereich Pop-Rock angesiedelt.

Wieso treten Sie in Deutschland nicht mit der Kombination aus Asia und Yes auf, wie sie es in Amerika gemacht haben?

Howe: Musikalisch hat das sehr gut funktioniert. Wir waren überrascht, wie vielen Asia-Fans die Musik von Yes gefällt. Aber das Management von Asia ging ganz anders an eine Tournee heran als wir. Das passte einfach nicht zusammen.

Macht es Ihnen nach so vielen Jahren noch Spaß, auf Tour zu gehen?

Howe: Auf der Bühne stehen, Gitarre spielen und so mit dem Publikum kommunizieren, das ist genau das, was wir alle machen wollten. Selbst wenn bei Proben mal das Licht nicht funktioniert oder sonst etwas schiefgeht. Aber das ständige Reisen ist manchmal ein echter Alptraum.

Wieso?

Howe: Zum einen lebt man lange Zeit von der Familie getrennt. Und die Aufenthalte im Hotel sind auch nicht immer so toll. Jeden Tag muss ich aufs Neue die gleichen Fragen an der Rezeption beantworten - nur an einem anderen Ort. So werde ich immer wieder gefragt, ob ich einen Wellness-Hochzeitsaufenthalt buchen möchte. Da ist es kein Wunder, dass Musiker zu Trinken anfangen.

Und Sie?

Howe: Nein, ich bin kein Trinker. Ich könnte mir einen Kater am nächsten Tag gar nicht leisten. Unsere Arbeit soll für die Konzertbesucher möglichst leicht aussehen. Das geht nur mit einem klaren Kopf.

Karten für Yes am Freitag, 4. Dezember (20 Uhr), in der Big Box in Kempten in den Service-Centern unserer Zeitung.

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