Memmingen
Stadtbach in der Wohnung

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«Man hätte es auch einfacher haben können», sagt Architekt Alexander Nägele. Ein paar Mehrfamilienhäuser nach Schema X planen wie das bei Wohnblocks (immer noch) gerne getan wird, nach Süden hin ausrichten, fertig. Doch Nägele und seine Bauherrin, die «Siebendacher Baugenossenschaft Memmingen», entschieden sich beim Projekt «Wohnen am Stadtpark» anders. Sie wollten die Natur in die Wohnungen hereinholen, besonders den Stadtbach, der nur zehn Meter von den beiden Gebäuden entfernt vorbeifließt.

Das ist ihnen auf faszinierende Weise gelungen. Weil zudem die Baukörper eine zeitgemäße Eleganz ausstrahlen und bis in die Details hinein eine hochwertige Architektursprache sprechen, sind sie mit dem Allgäuer Baupreis 2009 ausgezeichnet worden. Einfühlsam seien sie in das parkähnliche Umfeld am Stadtbach gesetzt worden, lobte die Baupreis-Jury und sprach von einem «gelungenen Beispiel für zeitgemäßen innerstädtischen Wohnungsbau».

Dem reizvollen Ergebnis gingen ein Wettbewerb und intensive Diskussionen zwischen der Bauherrin und dem Architekten voraus. Das nur fünf Gehminuten von der Innenstadt entfernt gelegene Gelände sei recht schwierig zu bebauen gewesen, sagt Josef Martin Lang, der Vorstandsvorsitzende der Siebendächer Baugenossenschaft. Schließlich verläuft parallel zum idyllischen Stadtbach eine vielbefahrene Ausfallstraße.

Gemäß der Erkenntnis, dass jede Lage eine eigene Lösung verlange, lud Lang fünf Memminger Architekturbüros zur Überplanung ein. Architekt Nägele und sein damaliges Partnerbüro Harald Schädler gewannen den Wettbewerb. Schädler realisierte das architektonisch ebenfalls sehr ansprechende Dienstleistungsgebäude direkt an der Ausfallstraße.

Oberste Priorität für Nägele war: Er wollte den Stadtbach in die Wohnungen reinbekommen. Das gelang ihm vor allem mit einer geschickten Anordnung der beiden Gebäude (die in der Mitte einen deutlichen Knick haben), durch große, teilweise raumhohe Fenster und durch raffinierte Terrassen und Loggien. In jeder der zwölf Wohnungen unterschiedlicher Größe sind vielfältige Sichtbeziehungen von Drinnen nach Draußen (und umgekehrt) entstanden. Sie sind lichtdurchflutet und erscheinen weitläufig. «Die Menschen leben fast wie in einem eigenen Haus», meint Nägele.

Die Knicke in den beiden Baukörpern führte der Architekt in den Grundrissen der Wohnungen konsequent fort. Es gibt viele unterschiedliche Winkel, das Einrichten ist eine Herausforderung. «Das gefällt nicht jedem», räumt Siebendächer-Chef Lang ein. Doch die Nachfrage nach den Wohnungen sei gut - obwohl sie hochpreisig sind. Und die Bewohner seien zufrieden.

Herausforderung für Handwerker

Auch für die Handwerker boten die Ideen Nägeles, der sein Memminger Büro «SoHo Architektur» genannt hat, viele Herausforderungen. «Die Betonbauer schüttelten anfangs nur den Kopf» sagt er. Doch viele Handwerker stellten sich dann gerne den unorthodoxen Vorgaben. Für die beiden im Knick platzierten Treppenhäuser griff Nägele freilich auf eine Spezialfirma zurück.

Sie stellte die ebenen Flächen mit einem auberginefarbenen Gemisch aus Beton und Steinchen herstellt, das Geländer besteht aus handgeschmiedetem, schwarz gestrichenem Stahl.

Warum wollte die Baugenossenschaft etwas Besonderes? «Wer an der Oberfläche baut, sollte das verantwortungsvoll tun», lautet das Credo von Josef Martin Lang. Höchstpersönlich setzte er sich immer wieder mit Architekt Nägele auseinander. Lang: «Das muss sein, um Gutes zu entwickeln.»

Nägele nickt. Im Planungsprozess versuche er, flexibel, aber nicht beliebig vorzugehen und die Wünsche von Bauherrn ernst zu nehmen. «Qualität entsteht nur, wenn man intensiv diskutiert - auch wenn es mitunter schmerzhaft ist.»

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