Hirschegg / Nesselwang
Spätromantiker mit Strahlkraft

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Nicht nur sein Zyklus «Die Planeten» von 1914 eroberte sich die Konzertsäle der Welt, auch eine andere Komposition des Briten Gustav Holst (1874 - 1934) entwickelte nachhaltige Faszinationskraft: Die Erste Suite für Blasorchester (Military Band) in Es-Dur von 1909. Das verdeutlichte jenes Jubiläumsprogramm, mit dem das Euregio-Blasorchester (EBO) sein zehnjähriges Bestehen in Hirschegg und Nesselwang feierte.

Es kombinierte in einem ersten Teil das dreisätzige spätromantische Werk mit zwei Kompositionen, die von ihm inspiriert sind. Eine davon war erstmals zu hören: die Memorial Suite «Grenzenlos» von Jacob de Haan. Der niederländische Komponist schuf das viersätzige Werk als Auftragskomposition der Euregio Via salina und der Kurt-und-Felicitas-Viermetz-Stiftung (Augsburg) für das Euregio-Blasorchester.

Heiter und unbeschwert

Dabei folgte Jacob de Haan, wie die Uraufführung offenbart, der musikalischen Dramaturgie und dem heiter unbeschwerten Grundcharakter des Vorbilds, ersetzte dessen selbstbewusst britische Tonsprache und dessen stolze Hymnen aber durch eigene Themen und weniger auftrumpfende Aufschwünge.

Ähnlich reich in der thematischen Verarbeitung wie das Original, scheint Jacob de Haans Komposition von ihren technischen Anforderungen eher auf die Möglichkeiten eines Laienensembles zugeschnitten zu sein als das Holst-Stück. Das Euregio-Blasorchester, bei seinem Auftritt im Hirschegger Walserhaus bestens disponiert, hebt die Haan-Suite jedenfalls mühelos aus der Taufe und entfaltet besonders beeindruckend die Qualitäten der Holst-Suite im zweiten und dritten Satz: ihre differenzierte Struktur, ihren mitreißenden Schwung.

Doch das Projektorchester, in dem ausgewählte Musiker aus den verschiedensten Kapellen der Euregio sitzen, meistert noch ganz andere Herausforderungen.

Unter der Leitung von Johann Mösenbichler, Professor an der Anton-Bruckner-Universität in Linz, stellt es mit der Suite «Dreams» des jungen Amerikaners Steven Bryant kompositorisch raffiniert konstruierte Träume über die Holst-Suite vor. Träume, in denen das Original, gleichsam unerreichbar, nur noch schemenhaft beschworen werden kann und sich günstigstenfalls wie hinter einem Schleier verborgen zeigt.

Höhepunkte aus zehn Jahren

Der zweite Teil des Jubiläumskonzertes ist dann der Rückschau gewidmet und lässt Höhepunkte der vergangenen zehn Jahre eindrucksvoll Revue passieren mit Musik von Richard Wagner bis James Barnes - zum Teil als Medley klug zusammengefügt.

Dazwischen setzt Sopranistin Kerstin Möseneder charmante Akzente, unter anderem mit dem Schwipslied von Johann Strauß und vor allem mit den leidenschaftlich vorgetragenen Ausschnitten aus dem Musical «Les Misérables» von Claude-Michel Schönberg - nach Victor Hugos gesellschaftskritischem Roman «Die Elenden».

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