Allgäu
Silvesterknaller: Schrecken für Tiere

Zitternd drückt sich Kira in die Ecke. Panisch zuckt die Hündin bei jedem Knall zusammen. Es ist wieder Silvester. Krachend explodieren Böller, Raketen stieben mit Funkenregen in die Nacht. Was für Menschen ein Ausdruck von Freude ist, ist für Kira Horror.

«Am schlimmsten ist es aber für Wildtiere», sagt Edith Krammel, Vorsitzende des Tierschutzvereins Lindau/Bodensee. Ihr Leben sei im Winter ohnehin schwer. Die Knallerei scheuche sie zusätzlich aus ihren Quartieren und sie irrten verängstigt umher. Deshalb appelliert der Deutsche Tierschutzbund, in der Nähe von Wäldern und in Parkanlagen kein Feuerwerk zu zünden.

Feineres Gehör

Überhaupt spricht er sich generell oder wenigstens dort, wo Tiere sind, gegen die Knallerei aus. «Sie löst in Tieren Urängste aus», sagt Krammel. «Außerdem können sie sich nicht wie wir an diesem bestimmten Tag im Jahr darauf einstellen.» Dazu kommt, dass Hund, Katze & Co. ein feineres Gehör haben als Menschen. Das Pfeifen und Krachen von Feuerwerk bedeutet für sie Schmerz.

Panik ist das Ergebnis. Dabei hängt das Maß der Angst nicht von der Tierart ab, sondern von der Sensibilität des einzelnen Lebewesens, sagt Krammel. Aber selbst für auf Schüsse trainierte Jagdhunde sei Silvester eine Extremsituation. «Ein Jäger schießt normalerweise ein- oder zweimal und nicht ständig über längere Zeit», so die Tierschützerin.

Tiere wie Kira, die nicht an die Knallerei gewöhnt sind, bezahlen den Jahreswechsel im Extremfall mit dem Leben. «Sie reißen sich in Panik los und rennen davon», so Krammel. Auf Autos oder andere Gefahren achten sie nicht mehr. Hängt die Leine noch am Halsband, besteht zudem das Risiko, dass der Hund damit hängen bleibt.

Nach Silvester 2008 griff beispielsweise das Tierheim Lindau fünf entlaufene Hunde auf. «Die Zahl schwankt von Jahr zu Jahr stark», sagt Krammel. Von der Dunkelziffer an Tieren, die nie wieder auftauchen, möchte sie «gar nicht reden». Sie erinnert sich an einen Hund, der vor einigen Jahren nach Silvester in einem Wald auftauchte. «Er war so verängstigt, dass er sich nicht einmal mit Futter anlocken ließ. Wir konnten ihn nicht einfangen und irgendwann war er weg», sagt Krammel. Mittlerweile seien die Fälle aber weniger tragisch, da die Menschen sensibler für das Thema würden.

Damit Hund und Katze gar nicht erst in Panik wegrennen können, sollten sie Silvester an einem ruhigen Ort im Haus verbringen. «Tiere fühlen sich geborgener, wenn sie sich zurückziehen können», sagt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. «Wer noch kein Silvester mit seinem Tier verbracht hat und nicht weiß, wie es reagiert, sollte es aber nicht allein lassen.»

Unsicherheit ignorieren

Eine Bezugsperson vor Ort hilft allerdings nur, wenn sie Sicherheit vermittelt. Das heißt laut Tierschutzbund: Kiras Besitzer sollte sie nicht mit tröstenden Worten beruhigen. Die ungewohnte Tonlage würde für die Hündin erst recht bedeuten: «Da stimmt etwas nicht.» Der Besitzer sollte stattdessen entspannt mit Kira umgehen und ihre Unsicherheit ignorieren.

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