Wangen
Seifenoper für Kinder

Die Wände ocker und blau gestrichen, 50 Holzstühle vor dem roten Vorhang, an der Wand ein Porträt vom Kasperle. Sven von Falkowski, Theaterdirektor, Geschichtenerzähler und Puppenspieler hat hier seine künstlerische Heimat gefunden. In seinem Wangener Puppentheater spielt er Geschichten für Kinder und Erwachsene. «Die Menschen tauchen für eine Stunde ein in eine andere Welt», beschreibt der 44-Jährige seine Arbeit.

Wangen, 24000 Einwohner, oberschwäbische Provinz. In der Altstadt hat Sven von Falkowski seit 2001 sein eigenes Theater. An sechs Tagen in der Woche hebt sich der Vorhang.

Gelernt bei «altem Meister»

Mit seiner festen Spielstätte will sich Falkowski von den vielen reisenden Kasperletheatern und deren Qualität absetzen. «Wenn Du vor Publikum trittst, musst Du Dein Handwerk verstehen», formuliert der 44-Jährige seinen Anspruch. Selber gelernt hat er das Puppenspiel bei einem «alten Meister», Mitglied der Hohensteiner Gruppe war der, bis in die 1960er Jahre die Puppenbühne schlechthin.

Gelernt hat Falkowski einen bürgerlichen Beruf (Jugend- und Heimerzieher), ausgeübt hat er ihn nie. Aufgewachsen in Görlitz, hat er mit 16 seine ersten Gehversuche im Theater unternommen, gründete 1988 das Musiktheater «fabuli», wurde ein Jahrzehnt später künstlerischer Leiter des Würzburger Kasperhauses.

Kinder sollen mitspielen

In Wangen spielt Falkowski klassisches Kasperletheater mit seinen klaren Strukturen - hier gut, da böse, dazwischen gibt es nichts. «Seifenoper für die Kinder» nennt Falkowski sein Theater. Es fordert die Beteiligung der Buben und Mädchen. Im Puppentheater müssen sie eingreifen, den Guten helfen. «Die Geschichte stirbt, wenn die Kinder das nicht tun», sagt Falkowski. In Zeiten steigenden Video- und Fernsehkonsums ist das für Kinder heute keine Selbstverständlichkeit mehr.

Das Wangener Puppentheater ist ein familienfreundliches Haus. Die Preise hat Falkowski seit Jahren nicht erhöht. Drei Euro muss jeder berappen. «In anderen Theatern werden Kinder abgegeben. Bei mir kommen die Familien oft gemeinsam, weil sie es sich noch leisten können», hat er beobachtet. Statt einer Preiserhöhung bittet er lieber um Spenden für das Kinderhospiz in Bad Grönenbach.

Mit seinem Puppentheater geht Falkowski auch auf Reisen, besucht Kindergärten, Altenheime, Schulen. Und für Erwachsene macht er seit Jahren eigenes Puppentheater, den «Faust oder die ewige Jugend» beispielsweise, ein Dauerbrenner. Gut 250 Mal hat Falkowski die Geschichte gespielt. Jedes Mal ein bisschen anders. «Improvisionstheater» nennt der Puppenspieler seine Arbeit. Die Grundgeschichte steht, der Rest entwickelt sich, auch abhängig von der Reaktion des Publikums.

Deshalb hängen immer einige seiner 60 Puppen hinter der Bühne, die er zusätzlich einbauen könnte.

Theater als Treffpunkt

Falkowski sieht sich in der langen Tradition der Volksbühnen. Wie die sucht er den Kontakt zum Publikum, plaudert in der Pause mit seinen Gäste, setzt sich selber an die Theaterkasse, begrüßt die Besucher mit einem Späßchen. «Für mich beginnt die Vorstellung mit dem Kassieren», sagt Falkowski. Und sie endet oft erst lange, nachdem der Vorhang gefallen ist. Beim «Butterbrottheater» versammeln sich Puppenspieler und Publikum nach einer Aufführung am runden Tisch, sitzen zusammen, schneiden sich gegenseitig das Brot. Falkowski: «Theater war früher ein Treffpunkt für die Menschen. Schön, wenn es das heute noch ist.»

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