Kaufbeuren
Sag zum Abschied mehrmals Servus

Ende September 2008 gab Kurt Rossmanith bekannt, dass er nicht mehr für den Bundestag kandidieren wird. So stand es am 1. Oktober vor einem Jahr in der Zeitung. Spätestens ab diesem Tag wussten alle Verantwortlichen in der CSU, dass sie ihren Abgeordneten, der die Region fast 30 Jahre lang in Bonn und später in Berlin vertreten hat, nach der Bundestagswahl im September 2009 verabschieden sollten. Doch - Kinder wie die Zeit vergeht - plötzlich war die Bundestagswahl vorbei, der neue Abgeordnete Stephan Stracke gewählt, und irgendwie geriet Rossmanith da wohl in Vergessenheit. Wer sich wunderte, dass immer noch keine Einladung für eine offizielle Verabschiedung auf den Tisch lag, erhielt zur Antwort: Ja, das müsse schließlich mit drei Kreisverbänden (Ost-, Unterallgäu und Memmingen) koordiniert werden und außerdem sei das Sache des CSU-Bundeswahlkreisvorsitzenden Franz Pschierer.

So, so, naja das kann dauern. Schließlich ist Pschierer seit einem Jahr bayerischer Finanz-Staatssekretär und viel beschäftigt. Dem ein oder anderen in der CSU - zumindest in Kaufbeuren und im Ostallgäu, wo Rossmanith zu Hause ist - wurde das ganze offensichtlich langsam peinlich. Noch dazu stand mittlerweile auch der 65. Geburtstag des langjährigen Abgeordneten an.

Der Ostallgäuer Kreisvorstand beschied deshalb kurzerhand in seiner jüngsten Sitzung, Rossmanith zur eigenen Weihnachtsfeier am 4. Dezember einzuladen. Geburtstag und Abschied sollten dort in kleinem Kreis schon mal gewürdigt werden - intern und ohne Öffentlichkeit. So stand es im Protokoll, das Kreisvorsitzende Angelika Schorer kurz darauf verschickte - auch an den Bundeswahlkreisvorsitzenden Franz Pschierer. Es gab keine Reaktion. Vermutlich hat er das Protokoll nicht gelesen.

Geharnischter Brief

So versandte Schorer schließlich die Einladungen für den 4. Dezember. Jetzt wachten die Unterallgäuer auf und sahen sich brüskiert. Die Folge: Ein geharnischter Brief der beiden Kreisvorsitzenden Klaus Holetschek (Unterallgäu) und Josef Miller (Memmingen) sowie Pschierers an die «liebe Angelika» mit großem Verteiler. Von «Verwunderung» über einen «Alleingang» ist darin zu lesen. «Geschlossenheit und Zusammenhalt» werden beschworen.

Schorer reagierte prompt und ruft den «lieben Franz» - ebenfalls mit großem Verteiler - zur «Sachlichkeit» auf. Eine Spitze freilich konnte sich die Landtagsabgeordnete nicht verkneifen. Sie zeigte sich verwundert, warum zwei Monate nach der Bundestagswahl noch immer keine gemeinsame Abschiedsfeier für Rossmanith in Planung sei.

Pschierer handelte nun schnell: Am Sonntag, 13. Dezember, sollen die Verdienste Rossmaniths bei einem feierlichen Frühschoppen im Mindelheimer Forum endlich gebührend gewürdigt werden.

Inzwischen peinlich

So manch einem in der CSU ist die Posse inzwischen peinlich. Darunter etwa der frühere bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller. Er sagt, er hätte den Brief «nie und nimmer unterschrieben», wenn er den großen Verteiler gekannt hätte.

Und Rossmanith selbst? Er betrachtet das Ganze von Berlin aus mit einem Schmunzeln. Der mittlerweile 65-Jährige ist in der Bundeshauptstadt inzwischen wieder selbstständig und arbeitet für eine Unternehmensberatung. Eine Würdigung seiner Arbeit, meint er, sei zwar sehr schön, aber einen Abschied brauche er eigentlich nicht.

Er wolle nämlich weiter mitarbeiten in der schwäbischen CSU.

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