Allgäu
Pflege-TÜV: Kein Heim schlechter als Note 3

Kaum ist er eingeführt, schon werden für den sogenannten Pflege-TÜV Nachbesserungen gefordert. Kritik entzündet sich vor allem an der Gewichtung der Noten: So ist es bislang möglich, dass ein Pflegeheim für die medizinische Versorgung seiner Bewohner mit mangelhaft bewertet wird, aber trotzdem eine befriedigende Gesamtnote erhält. Auch die Benotungen einiger Allgäuer Pflegeeinrichtungen sind seit kurzem im Internet einsehbar. Von zwölf Allgäuer Heimen sind die Prüfberichte bereits veröffentlicht: Drei mal die Note sehr gut, sechs mal gut und drei mal befriedigend.

Kontrolle mit Prüfkatalog

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist seit vergangenem Jahr dabei, Heime nach dem neuen Schulnoten-Prinzip (von eins «sehr gut» bis fünf «mangelhaft») zu testen. Dabei werden die Einrichtungen mit einem Prüfkatalog aus 82 Fragen kontrolliert und dann in fünf Kategorien bewertet. Die Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht und sollen den Menschen auf den ersten Blick zeigen, ob ein Heim gut oder schlecht ist. Von den rund 1500 bayerischen Heimen sind bereits 320 getestet worden. An der Veröffentlichung der Noten im Internet hatte sich Kritik entzündet.

Doch das Sozialgericht Augsburg hat erst vor kurzem den Antrag eines schlecht benoteten Pflegeheimes abgewiesen, das die Veröffentlichung des Berichtes im Internet vorläufig untersagen lassen wollte.

Bereits im Internet steht zum Beispiel der Prüfbericht für das Kaufbeurer AWO-Reinhard-Schmidt-Haus. Es schneidet mit der Gesamtnote 2,9 befriedigend ab. Jedoch ist der Umgang mit demenzkranken Bewohnern mit «mangelhaft» (Note 5) bewertet. Etwa die Hälfte der 115 Bewohner leiden an Demenz. Heimleiter Karl-Heinz Wenzel sagt, er könne die Benotung nicht nachvollziehen. «Wir leisten in diesem Bereich wesentlich mehr.

» Es gebe ein Betreuungskonzept für Demenzkranke, einen speziellen Wohnbereich auf jeder Station, wo die Bewohner von gerontopsychiatrischen Fachkräften betreut würden. Wenzel kritisiert die standardisierten Fragen des Prüfkatalogs: Seiner Ansicht nach passen diese nicht mit der Arbeitswirklichkeit zusammen. Gleichwohl habe das Haus auf die Benotung reagiert und in «intensiven Gesprächen» mit Mitarbeitern über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert.

Als «ein Instrument, das dem Kunden helfen kann», bezeichnet der Sprecher des Verbandes «Pflege im Allgäu», Ulrich Gräf, den Pflege-TÜV. Seiner Ansicht nach bilden die Noten des Medizinischen Dienstes im allgemeinen recht gut die Wirklichkeit ab. Allerdings kritisiert Gräf das massive Gewicht, mit der die Dokumentation der Pflege in die Benotung einfließt.

«Ein Haus das effektiv gute Leistungen bei der Betreuung bringt, diese jedoch nicht gut dokumentiert, wird deshalb schlecht bewertet.»

«Ja, es sind Nachbesserungen beim Pflege-Test nötig», sagt Jörg Fröhlich, der beim MDK für Qualitätsprüfungen zuständig ist. Wichtigster Punkt: Die Gesamtnote dürfe nicht besser sein, als die Bewertung für die Pflege und medizinische Versorgung. «Es darf nicht sein, dass Probleme bei der Pflege mit guten Noten für Wohnen und Verpflegung ausgeglichen werden können.» Dies sind laut Fröhlich «selbstverständliche Voraussetzungen». Hier enthalte der Prüfkatalog «unnütze Fragen». (dam)

www.aok-pflegeheimnavigator.de

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