Ottobeuren
Pfeifen wie in Frankreich

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Unzählige Male hat Basilikaorganist Josef Miltschitzky bereits die Register der Dreifaltigkeitsorgel in Ottobeuren gezogen - und doch «weist einen das Instrument jedes Mal darauf hin, dass es etwas Besonderes ist», sagt er. Als «siebtes Weltwunder» im Orgelbau bezeichnen es renommierte Organologen gar. Geschaffen hat dieses barocke Kunstwerk - und seine kleine Schwester, die Heiliggeist-Orgel - Karl Joseph Riepp, der am 24. Januar 1710 in Eldern bei Ottobeuren geboren wurde. Sein 300. Geburtstag wird heuer mit einem internationalen Jubiläumsjahr gefeiert. <%IMG ID='405044' align='right'%>

Organisten, Orgelbauer und Musikwissenschaftler aus der ganzen Welt, pilgern ohnehin jedes Jahr zu den einzigartigen Riepp-Instrumenten in der Benediktinerabteikirche. Denn sie sind nicht nur, bis auf wenige Pfeifen, weitgehend original erhalten, sondern auch in gutem Zustand, weil sie ständig gespielt wurden. «Es ist verblüffend, welche unglaubliche Hightech für die damalige Zeit in ihnen steckt», schwärmt Miltschitzky, «und in welcher Qualität sie gebaut wurden.»

Und vor allem ihre Intonation falle in der süddeutschen Orgellandschaft völlig aus dem Rahmen: Ihr französisches Klangbild weist einen besonderen Reichtum an Zungen- und Terzregistern auf - schließlich lebte Riepp bereits einige Jahre in Frankreich, als er 1754 mit der Konstruktion der Ottobeurer Chororgeln begann.

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Also baute er die Pfeifen und Windladen nach der dortigen Mode ein, ebenso wie wenige Jahre zuvor in seinem «Meisterstück» in Salem, der damals weltweit größten Orgelanlage mit 125 Registern, verteilt auf vier Orgelwerke - die heute allerdings größtenteils in alle Winde zerstreut ist. Die Mönche dort haben die französische Klangästhetik zunächst gar nicht verstanden, deshalb gab ihnen Riepp eine «Speisekarte» mit an die Hand, in der er die Register mit Torten, Sahnehauben und allerhand anderen Delikatessen auf humoristische Weise erklärte.

Bauakten sind verschollen

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«So eine Anleitung gab es für Ottobeuren sicher auch», weiß Miltschitzky, «die ist aber genauso verschollen, wie die ganzen Bauakten. Alles, was wir heute wissen, stammt aus den Tagebüchern von Andreas Silbermann.» Gewürdigt wird das Schaffen Riepps mit Konzerten, Ausstellungen und Vorträgen an seinen Hauptwirkungsstätten in Deutschland und Frankreich. Höhepunkte sind ein Orgelseminar und ein Symposium in Ottobeuren, die Miltschitzky vom 29. September bis 2. Oktober anbietet.

Auftakt des Jubiläumsjahrs: Sonntag, 24. Januar, in Ottobeuren: Gedenkgottesdienst (9 Uhr, Basilika); Konzert in Eldern (15 Uhr, Kapelle) mit Festvortrag (jeweils mit Josef Miltschitzky). Programm unter Telefon 08332/6909 oder per E-Mail: Josef.Miltschitzky@web.de

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