Börwang
Nie ohne einen Spätzlehobel

Die Mongolei war für ihn bisher das gefährlichste Pflaster. «Da bin ich öfter umhergeirrt. Es gibt keine Straßenschilder und es war bitterkalt, 35 Grad minus jeden Tag». Max Bader sitzt in seinem Haus in Börwang (Oberallgäu) und erzählt wie aus einem Film. Doch sie sind real, seine Geschichten. Er hat viel erlebt, war unter anderem in Äthiopien, Moldawien, Kasachstan, Sri Lanka, Sibirien, Uganda.

Der 66-Jährige ist ein sogenannter Senior-Experte. Rentner im Unruhestand, so wie Bader, können über den Senior-Experten-Service (SES) ihr Wissen an ausländische Unternehmen weitergeben. Der SES ist eine Stiftung der Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. Im Fall von Max Bader geht es um internationale Küche. 25 Jahre lang war er Küchenchef am Kemptener Klinikum. Heute rufen ihn Hotels auf der ganzen Welt, damit er ihren oft unausgebildeten Köchen die Zubereitung internationaler Gerichte beibringt.

«Zehn Mal war ich für den SES schon im Einsatz und immer gerne; auch wenn ich ab und zu an meine Grenzen stoße», sagt Bader: Die Kälte in der Mongolei, Durchfall, eine Blutvergiftung und eine Nervenlähmung in Äthiopien, Krokodile und blutdurstige Moskitos in Uganda. «Ja, nicht alle Tage sind gut», verharmlost er.

Momente, in denen seine Frau Veronika sich sorgt. «Manchmal ruft er auch nicht gleich an, wenn er gelandet ist, und ich sitze auf heißen Kohlen», sagt die 60-Jährige. Dass sie den Elan ihres Mannes aber nicht bremsen kann, weiß sie genau.

Abenteuer als Jungkoch

Schon mit 18 Jahren hat der gebürtige Ostallgäuer Deutschland verlassen. Er arbeitete in der Schweiz, in England, in Schweden, in Restaurants, auf Schiffen. Erst nach zehn abenteuerlichen Jungkoch-Jahren verschlug es ihn zurück ins Allgäu. «Dann kamen ruhigere Jahre mit Frau und Kindern», sagt Bader.

Die Vorbereitungen auf seine Reisen sind meist gleich. Frau Veronika packt ihrem Max den Koffer: kurze Hosen für Äthiopien, dicke Pullis für Sibirien. Bader kümmert sich um das Küchen-Gepäck: «Ich fahre nie ohne einen Spätzlehobel», erzählt der dreifache Vater. Deutscher Standard ist nicht in allen Einsatzländern zu erwarten. Als Bader mit einem elektrischen Mixer im Hotel in Uganda ankam, bekamen die Köche große Augen - und er selbst auch, als er feststellte, dass es gar keinen Strom gab. Wie er die Armut und die vielen verschiedenen Eindrücke verkraftet? Ganz gut, sagt er. Er sei bescheidener geworden. «Die Deutschen jammern auf hohem Niveau, die Leute in Afrika beispielsweise sind viel zufriedener mit dem, was sie haben», meint der 66-Jährige.

Voller Flöhe und fleischsüchtig

«Manchmal war Max schon voller Flöhe und Läuse, als er nach Hause kam. Und er ist immer richtig fleischsüchtig nach seiner Rückkehr», erzählt Veronika Bader. Kaum hat er sich aber akklimatisiert und sie die Wäsche gewaschen, kommt der nächste Auftrag vom SES. Bader schlägt selten einen aus. «Ich habe nur zwei Grundsätze: Ich gehe nie länger als drei Monate und nirgends hin, wo es kein Bier gibt», sagt der Senior-Experte und lacht.

Baders Reisefieber bleibt ungebremst. «Eigentlich wollte er mit 65 aufhören», sagt Frau Veronika. «Nur noch ein Anruf beim SES», entgegnet Bader. Wenn er träumen dürfte, würde er am liebsten in Südamerika einspringen. «Dafür müsste ich aber Spanisch sprechen», sagt er. Ob der 66-Jährige jemals endgültig die Rente antreten wird? Andererseits: Mit 66 Jahren, da fängt das Leben bekanntlich ja erst an.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018