Probstried
Name: Luis, Alter: Sechs Monate, Diagnose: Leukämie

An jenem Freitag, an jenem 12. Juni dieses Jahres, war die kleine Welt der Familie Kienzler perfekt. Nach den beiden Mädchen Lea (8) und Amelie (5) kam Wonneproppen Luis auf die Welt. Der Kleine strahlte mit der Sonne und den stolzen Eltern um die Wette. Es war drei Monate später, als die perfekte Welt der Familie Kienzler zusammenbrach wie ein Kartenhaus. Ausreichend war ein einziges Wort: Leukämie. Seit diesem Samstag, seit diesem 19. September, ist bei der Familie Kienzler im Oberallgäuer Probstried nichts mehr so, wie es einmal war.

«Da stimmt etwas nicht»

Wenn Joachim Kienzler (40) von der Geburt seines ersten Sohnes erzählt, bekommt seine leise Stimme einen unwahrscheinlich warmen Klang. Die Geburt von Luis war für ihn und seine Frau Ursula die «wunderschöne Krönung eines wunderschönen Sommers». Luis lachte viel und gern. Als die Familie gegen Ende dieses wunderschönen Sommers von einem Urlaub zurückgekehrt war, kamen Freunde zu Besuch. Schauten sich natürlich auch Luis an - und erschraken, wie blass der kleine Kerl war. «Als Eltern nimmt man das gar nicht so wahr», erinnert sich Joachim Kienzler, «Luis war schon immer ein bisschen blass gewesen. Dass sich das dann schleichend so extrem entwickelt hatte, haben wir, die wir ihn ja jeden Tag sahen, gar nicht bewusst mitbekommen.»

Einen Tag darauf: Luis trinkt immer weniger. Mutter Ursula (34) sagt mit der Gewissheit, die nur eine Mutter haben kann: Da stimmt etwas nicht, wir müssen ins Krankenhaus. Auf der Intensivstation des Klinikums Kempten wird ein Blutbild gemacht. Diagnose: Leukämie. Luis wird umgehend in die Kinderklinik nach Schwabing gebracht.

Den ersten Block der Chemotherapie verkraftet der «echte Kämpfer» Luis, wie ihn Mutter Ursula stolz nennt, erstaunlich gut. Der zweite - das Immunsystem ist schon angegriffen - macht ihm dagegen schon deutlich zu schaffen. Dann der nächste Schlag: Der zentrale Venen-Zugang entzündet sich, Bakterien gelangen in die Lunge. Die Eltern, die Geschwister, die Ärzte und die Pflegekräfte treibt die Angst um, dass eine Lungenentzündung dazu kommen könnte. Kämpfer Luis lässt sich nicht unterkriegen, wieder einmal.

Zurzeit ist er immer noch auf der Intensivstation. Nach zwei bis drei Wochen Erholungszeit, so sagt Joachim Kienzler, kann aber hoffentlich mit dem nächsten Chemoblock gestartet werden.

Joachim Kienzler besucht seinen Sohn so oft wie möglich, zumindest jedes Wochenende. Luis´ Schwestern haben ihren Bruder in der Klinik bislang erst zwei Mal sehen können. Ganz unterschiedlich verarbeiten die beiden die Krankheit und das bereits wochenlange Leben ohne die Mutter. Nach dem ersten Besuch bei Luis muss sich die jüngere Amelie auf der Rückfahrt übergeben. Zwei Wochen lang ist ihr danach schlecht gewesen, ohne dass dafür eine organische Ursache gefunden werden konnte. Lea, die ältere, geht «erwachsener» mit der schwierigen Situation um, sagt Joachim Kienzler. Oft sitzt das Mädchen still in einer Ecke, malt ein Bild für ihren Bruder.

«Wenn ich dann mit ihr darüber spreche, beginnt sie zu weinen», sagt Joachim Kienzler - noch ein Stück leiser, bemüht, die eigenen Tränen zurückzuhalten.

«Gesund am ersten Geburtstag»

Und er selbst? «Zuerst fragt man sich: Warum trifft es uns, ausgerechnet uns? Dann sagt man sich irgendwann: Das sind halt die Aufgaben, die einem das Leben stellt.» Seine Aufgabe sieht er jetzt darin, einen geeigneten Lebensretter für Luis zu finden: «Ich glaube fest daran, dass Luis an seinem ersten Geburtstag gesund sein wird.» Dann könnte dieser Samstag, dieser 12. Juni 2010, wieder ein perfekter Tag sein im Leben der Familie Kienzler, im Leben von Amelie, Lea, Ursula, Joachim - und Luis.

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