Kempten
Mitreißender Radetzkymarsch

Nach zwei Stunden, als Georg Schmöhe die Münchner Symphoniker ein letztes Mal um höchste Aufmerksamkeit bat und im Rahmen der dritten Zugabe besonders zackig und engagiert dirigierte, gab es für viele im Publikum kein Halten mehr. Bitteschön: Wer kann bei einem mit bemerkenswerter Spielfreude und großer Verve vorgetragenem «Radetzkymarsch» schon stillhalten? Und dies nach zwei Stunden konzentrierten Walzer-Angebots eines an diesem Abend bestens disponierten Orchesters aus der Landeshauptstadt. Knapp 1400 Besucher also klatschten mit und trampelten danach derart heftig mit den Füßen, dass beinahe die Wände wackelten in der Big Box Allgäu in Kempten.

Das Neujahrskonzert der Münchner Symphoniker in der größten Veranstaltungshalle der Region hat inzwischen Tradition. Was für die Verantwortlichen dieses Klangkörpers gleichzeitig Ansporn ist, stets ein spannendes und populäres Programm auf die Beine zu stellen. Nun muss man nicht lange suchen im Register der Komponisten, um für ein Neujahrskonzert fündig zu werden, das die Zuhörer melodiös, beschwingt und gut gelaunt in den nächsten Zeitabschnitt geleiten soll. Natürlich kommt man da an einem Namen wie Johann Strauß (Vater und Sohn) nicht vorbei. Allerdings: Wichtig ist die Auswahl der Strauß-Werke und wie man sie präsentiert.

Intendant moderiert humorvoll

Die Münchner Symphoniker ließen an diesem Abend kaum einen Wunsch des Publikums unerfüllt. «Fast alles Walzer» lautete der Titel des Abends, und dass Symphoniker-Intendant Hans Brünig humorig und mit vielen Informationen zum Kaiserwalzer, zum Persischen Marsch, den Dorfschwalben aus Österreich oder dem Klipp-Klapp-Galopp durchs Programm führte, machte den Auftritt der Münchner letztlich zu einer runden Sache.

Mit welcher Genauigkeit und Liebe zum Detail Georg Schmöhe und dessen Orchester zu musizieren versteht, machte ein Stück wie Perpetuum Mobile op. 257 deutlich.

Lockerer musikalischer Scherz

Ein musikalischer Scherz, wie der Untertitel des Werkes verrät. Doch was beim Zuhörer locker-leicht und scherzhaft ankommt, erfordert oft harte musikalische Arbeit. Das Perpetuum Mobile, 1861 von Johann Strauß (Sohn) fertiggestellt, ist ein Paradebeispiel dafür.

Luftig, komödiantisch, beinahe schon satirisch offerierten Schmöhe und seine Musiker dieses Stück ohne wirkliches Ende, und man hätte sich an diesem Abend gewünscht, die Münchner Symphoniker hätten es noch ein wenig mehr in die Länge gezogen. Andererseits mussten sie sich ihre Kräfte ja einteilen und am Ende bei den Zugaben einen langen Atem beweisen.

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