Kempten
Mit Surfbrett übers Publikum

Die stets korrekt gekleidete Countrymusik-Legende Jonny Cash wäre vom Auftritt von «BossHoss» vermutlich entsetzt gewesen. Doppelripp-Unterhemden als Kleidung für den Auftritt? Geht für einen stilvollen Musiker nicht. Doch BossHoss haben diese Kombination samt Cowboyhut zu ihrem Markenzeichen auserkoren. Und viele der rund 1800 Fans taten es ihnen gleich und zeigten sich so im eher kühlen Foyer der Big Box in Kempten - Gänsehaut inklusive.

Die war aber schnell verschwunden, als die Berliner Combo drinnen loslegte. Nur selten gab es hier Bands, die dem Publikum so schnell einheizten. Schon beim zweiten Lied waren die Hände der Fans oben - und blieben es bis zum Konzert-Ende. Denn der Country-Punk der sieben Musiker hat eine eindeutige Richtung: Vollgas voraus. Hier war Party angesagt. Und die Punkerin im Teenie-Alter war ebenso begeistert wie diejenigen, die tagsüber im grauen Anzug über die Gänge seriöser Firmen laufen. Zum großen Spaßfaktor trug nicht nur der Einsatz vor allem von «Boss» Alec Völkel bei, sondern auch der herrlich respektlose Umgang mit verschiedenen musikalischen Stilen. Dass Lieder der Beastie Boys hervorragend ins Repertoire von BossHoss passten, war klar und mit «Sabotage» auch leicht bewiesen.

Aber Soul-Legende Aretha Franklin und «Say a little prayer»? Auch das geht. Allerdings nicht mit geschrammelten Gitarren und Höchstgeschwindigkeit am Schlagzeug, sondern als dezent-zurückhaltende Akustik-Version mit erstaunlich viel Gefühl. Da konnten auch die rauhen Großstadt-Cowboys aus Berlin mal ganz leise werden.

Schnelle Nummern bevorzugt

Dieses sanfte Tempo hatte aber Seltenheitswert. Denn auch bei den Stücken aus eigener Feder bevorzugten BossHoss die schnelle Nummer. Vor allem Alec Völkel legte los, als wollte er unbedingt beweisen, dass sich eine Band auch beim letzten Auftritt des Jahres nicht schon auf die kommende Pause einstimmen muss.

Vom sonoren Countrybass bis zum animalischen Kreischen reichte die Bandbreite. Höhepunkt der durchaus sportlichen Show: Der Ritt von Ernesto Escobar de Tijuana (Tobias Fischer) auf dem Surfbrett über die Köpfe der Kemptener Zuschauer.

Doch auch die anderen Musiker waren weder zu übersehen noch zu überhören. Klasse an der Mundharmonika: Malcolm Arison alias Hank Williamson. Er drückte dem Abend ebenso seinen Stempel auf wie «Hoss» Sascha Vollmer (Gitarre).

Zum gelungenen Abend trugen auch die netten Gags am Rande bei. Zum Beispiel, wenn die Musiker mit ihren Barhockern über die Bühne ritten, die Roadies plötzlich zahlreiche Pflanzen um die Bandmitglieder dekorierten oder auch der kleine inszenierte Streit zwischen Williamson und Schlagzeuger «Frank Doe», ob nun die Cajón-Box eher ein Sitzmöbel oder ein Rhythmus-Instrument ist. Alles in allem eine tolle Show.

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