Fischen
Mit Holzskiern die Piste hinab

Fast 50 Hobbysportler werden im Stil der Gründerzeit Knickerbocker oder Keilhosen tragen und auf hölzernen Skiern den Hang hinunterfegen: Das Oberallgäuer Fischen wird im Jubiläumsjahr «1150 Jahre Fischen» seine historischen Anfänge im Wintersport wieder zum Leben erwecken. Am Samstag, 13. Februar, findet am Hausberg Stinesser, direkt im Ort, ein historischer Mannschaftswettbewerb statt. Vier Mann pro Team werden auf die Piste gehen, 21 Gruppen haben sich bislang angemeldet. Dabei sind die Vorgaben streng: Teilnehmen darf nur, wer mit alten Holzskiern, bestenfalls mit Federspannbindung, antritt. Diese habe es etwa bis zum Ende der 50er Jahre gegeben. «Unsere Hoffnung ist, dass die Leute auf ihren Dachböden schauen, was dort an Material lagert», sagt Festausschussleiter Georg Larsch. Es sei durchaus möglich, dass dabei das ein oder andere gute Stück auftauche, das sich fürs Fischinger FIS-Skimuseum eigne.

Doch auch, wer kein altes Sportmaterial besitzt, kann beim Wettkampf mitmachen: Etwa 40 Paar Ski hat Larsch aus den Lagerbeständen des Skimuseums geholt und verliehen. Tatsächliche Exponate kommen indes nicht zum Einsatz - die Gefahr sei zu groß, dass Material irreparabel kaputt geht.

«Keine Fasnachtsgaudi»

Und nicht nur das Sportgerät, auch die Kleidung muss dem Wettkampf angemessen sein: «Wir wollen keine Fasnachtsgaudi, die Leute sollen gekleidet sein wie früher», sagt Larsch. Spezielle Skikleidung wie heute habe es damals nicht gegeben, die Bevölkerung ging mit Knickerbockern oder Keilhose auf die Piste, trug dazu warme Kleidung wie etwa eine gestrickte Jacke, Schal und Mütze. Zudem gut geeignet: alte Trachtenkittel. «Einige der Gruppen wollen bis ins Detail nachempfinden, wie die Menschen einst mit Skiern unterwegs waren - das freut uns sehr», erzählt Larsch.

Für die beste, historisch-gekleidete Mannschaft wird es einen Sonderpreis geben, verrät er.

Die Veranstaltung soll an die berühmte «Hörnertour» erinnern, deren Ausgangspunkt Fischen war. Zunächst hatte der Festausschuss diskutiert, ob man nicht die Hörnertour mit altem Skimaterial gehen könne.

«Davon haben wir uns aber schnell verabschiedet, das wäre viel zu gefährlich gewesen auf Holzskiern», sagt der Festausschussleiter, und fügt an: Einige Teams würden bereits intensiv trainieren - und manch einer sei schon bei einer kleinen Abfahrt wie am Stinesser heftig gefordert. «Man muss völlig umdenken im Vergleich zur heutigen Fahrweise», so Larsch. In den alten Schuhen habe man viel weniger Halt - und die ganz alten Holzskier hätten nicht einmal Kanten.

Talisman für Teilnehmer

Eine weitere Ski-Tradition wollen die Fischinger zudem beleben: Jeder Teilnehmer bekommt einen echten Ullr überreicht. Dabei handelt es sich um einen Talisman, auf dem der gleichnamige germanische Wintergott der Jagd abgebildet ist. In den 50er Jahren war es laut Larsch undenkbar, ohne diesen Schutzpatron der Wintersportler auf Skitour zu gehen.

Ablauf: Ab 15.30 Uhr ist Startnummernausgabe im FIS-Skimuseum in Fischen. Um 16.30 Uhr ziehen die Teams dann gemeinsam mit Musik zum Stinesser. Der Wettbewerb beginnt um 17 Uhr.

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